Veröffentlicht inHundert 11

Freak und Birken

»Leben mit einem Idioten« klingt für mich wie eine Untertreibung in der gegenwärtigen Lage, wo verschiedene Formen des Psychopathentums Voraussetzung für weltmächtigste Ämter zu sein scheinen. Und so scheint mir Alfred Schnittkes Oper Leben mit einem Idioten von 1992, deren Neuinszenierung, als Koproduktion mit Nancy, jetzt Premiere in Magdeburg feierte, gerade sehr fern und sehr […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Edmond Dédé, remembered [Bookletology #4]

Reiner Zufall, dass Morgiane, ou, Le Sultan d’Ispahan eine etwas konventionelle Heiratsverwicklungsgeschichte eben da spielt, wo gerade (neben anderen Orten) US-amerikanische Marschflugkörper ein marodes Regime zusammenbomben sollen. Die Story kann in Isfahan spielen, aber auch anderswo, und sie war, als Edmond Dédé den Schlusspunkt unter 545 Notenblätter setzte, 1887 in Bordeaux, ein abendfüllendes, ambitioniertes Exemplar […]

Veröffentlicht inEssay

Mozart war kein Neuerer

Wie rätselhaft ist Mozarts Musik! Alle Motive, Wendungen, Phrasen – alles, was man das musikalische Vokabular nennen könnte – kommen uns bekannt vor. Alle Komponisten seiner Zeit haben dieselbe »Sprache« gesprochen. Mozart war kein Neuerer seiner Kunst wie Wagner oder Monteverdi, er hatte an der Musik nichts zu reformieren; in der Tonsprache seiner Zeit fand […]

Veröffentlicht inInterview

»Ich wollte um jeden Preis verhindern, dass Anima stirbt.«

»Nach dem ersten, wie aus dem Nichts dunkel und warm dräuenden Streicherweben, dem ersten fremd und magisch von fern tönenden Hornruf schien alles möglich. Man hört höchst eigene Klangfarbmischungen, dazu viel Charakter vor allem in den Bläsern, so wird ein Solo der Klarinette, Flöte, Oboe eben mehr als die perfekte Realisierung eines Notentextes, nämlich eine […]

Veröffentlicht inKommentar

Viel Lärm um wenig Fakten

»Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Autonomie kultureller Institutionen«, urteilte das Magazin ›monopol‹ am 26. Februar über die tags zuvor von der ›BILD‹ angekündigte Entlassung der Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, veranlasst durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Kommentar rechnete, wie so viele andere zeitgleich erschienene Artikel, mit dem Rauswurf Tuttles. (Spoiler: Sie bleibt.) Und offenbart […]

Veröffentlicht inMeldung

Landesmusikräte fordern Erhalt der Deutschen Radio Philharmonie

Die Konferenz der Landesmusikräte (KdLMR) warnt in einem Appell vor einer drohenden Verkleinerung der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) Saarbrücken Kaiserslautern. Das Schreiben, das VAN vorliegt, richtet sich an die Landesregierungen des Saarlands und von Rheinland-Pfalz sowie an die Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Hintergrund sind Überlegungen, das Orchester im Zuge von Einsparungsmaßnahmen strukturell zu verkleinern. SWR-Intendant […]

Veröffentlicht inKritik

Glück, das an uns vorbei ging

Unter den Linden hat Sir Simon Rattle am Sonntag endlich seinen Janáček-Opern-Zyklus komplettiert. Auch Rattles Gattin, die mit ihrer bezaubernden Porzellanstimme allezeit treffsichere Mezzosopranistin Magdalena Kožená, trat im zweiten Akt kurz in Erscheinung. Nämlich in der Rolle des feschen Herrn Reinecke, der die schlaue Fuchsfrau vernascht und heiratet. Woraufhin der Chor des Waldes in einen […]

Veröffentlicht inKommentar

Eine Salzburgische Maskerad

Dass Politiker in die Inhalte der Kunst hineinregieren, für die sie Gelder verwalten, ist eher Alltag als Ausnahme. So etwas kommt immer wieder vor. Neuerdings häufen sich Fälle, in denen der Aufsichtsrat eines Festivals den künstlerischen Leiter schurigelt und loswerden will. Bei den Salzburger Festspielen geht es allerdings weder um politische Statements noch um Inhalte. […]

Veröffentlicht inHundert 11

Virtuosität der Poesie

Kit Armstrong – kein Wunderkind mehr, aber immer noch Wunder – sei der einzige Musiker, der direkten Zugang in Beethovens Kopf habe, erklärt sinngemäß Dirigent Jan Caeyers vor dem Konzert: Hier sitze quasi Beethoven selbst am Klavier. Einem so profunden Euphoriker wie Caeyers nimmt man solchen Überschwang gern ab. Und auch dem gepriesenen Wunder Armstrong […]

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