Veröffentlicht inHundert 11

Zeremonie der Nuancen

Dass manche Musikkritiker etwas ledrige Zeitgenossen sind, mag auch mit dem manchmal »sauren Amt« (Beckmesser) zu tun haben, aber auch wirklich jede Opernpremiere begutachten zu müssen. Probates Mittel zur Vorbeugung aller Verlederung: öfters Arbeiten wieder besuchen, die gestern gut waren, heute gut sind und morgen gut sein werden. Etwa Ruth Berghaus’ alte Inszenierung von Pelléas […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Exerzitien in Zartheit

Gerontius war ein spätantiker römischer General, aber mit dem hat Elgars Oratorium The Dream of Gerontius gar nichts zu tun. Sein Gerontius, auf einen 1865 von dem englischen Kardinal John Henry Newman verfassten und seinerzeit in katholischen Kreisen ziemlich populären Text, dieser Gerontius ist einfach ein alter Mann, es könnte jeder sein, entsprechende Glaubensgrundlagen vorausgesetzt. […]

Veröffentlicht inHundert 11

Lortzing in der Traufe

Jüngeren Menschen in der Hauptstadt dürfte Albert Lortzing am ehesten noch geläufig sein durch das Marmordenkmal in der schönsten Gegend des Berliner Tiergartens, gleich gegenüber der Rousseau-Insel. Das ist eine Versteinerung geradezu ovidischen Ausmaßes, wenn man die Tatsache bedenkt, dass vor wenigen Jahrzehnten jedermensch Lortzing im Ohr hatte. Etwa die sentimentalen Verse des Zaren aus […]

Veröffentlicht inMeldung

Exklusiv: Berliner Philharmoniker sollen ab 2032 für acht Jahre nach Tempelhof ziehen. 

Am 1. Mai 2032 feiern die Berliner Philharmoniker ihr 150-jähriges Jubiläum. Kurz darauf gehen im Stammhaus an der Herbert-von-Karajan-Straße 1 die Lichter aus: Dann soll die Philharmonie für mehrere Jahre generalsaniert werden. Im Februar hatte VAN gefragt, wie die Sanierung des Scharoun-Baus bezahlt werden soll – und wo die Berliner Philharmoniker in der Zwischenzeit spielen […]

Veröffentlicht inBericht

Alles auf 1900

Auf dem Weg nach Troldhaugen teilt sich eine gerade, breite Allee recht plötzlich in ein Labyrinth aus Wegen: hinunter zur Grabstätte am Ufer, hinauf zur Villa, nach links zum Konzertsaal mit der Glasfassade und noch weiter links zur Hütte des Komponisten. Ein bisschen fühlt man sich wie in einem Videospiel. Wo soll’s hingehen? Dies ist […]

Veröffentlicht inInterview

»Also haben wir das Stroh ausgeräumt, die Scheune gereinigt und zu einem Konzertsaal umgebaut.«

Seit 2010 spielen die großen Namen der Klassikszene in einem Dorf in der Sächsischen Schweiz jedes Jahr für eine Handvoll Tage so gut wie umsonst. Der Grund? Die Musik Dmitri Schostakowitschs. Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch haben sich als einziges regelmäßiges Festival für den Komponisten mittlerweile fest etabliert. Ich habe mit dem Mitbegründer und Künstlerischen […]

Veröffentlicht inHundert 11

Ob Mexiko oder Marokko, Hauptsache Musik

Nicht alles, was hinkt, ist ein Ausgleich (wie schon Josef Herberger nicht sagte). Trotzdem kann man den Pianisten Stephan von Bothmer gleichsam als den Heribert Faßbender der Fußballmusik bezeichnen, denn beide haben die akustische Parallelaktion zum Sportereignis in den Rang einer eigenen Kunstform erhoben. Dieser brachte mittels des gesprochenen Worts das nackte Spiel auf eine […]

Veröffentlicht inMeldung

In zu vielen Hinsichten gut?

In der Justizvollzugsanstalt in Berlin-Tegel gehen von einem riesigen, hohen Raum viele mit Gittern abgetrennte Flure und von diesen Zellen ab. Es ist kühl, voll und laut. Schritte und Stimmen hallen wie in einer Kathedrale. Mittendrin stehen Geigerin Sonja Bogner, Cellistin Clara Lindenbaum und Bratschist Avri Levitan mit ihren Instrumenten in den kalten Fingern. Sie […]

Veröffentlicht inInterview

»Ein gutes Festival ist eine Auszeit von der Wirklichkeit.«

Dass Grenzen keine Trennlinien sind, sondern Kontakt- und Austauschzonen – und dass dort, wo verschiedene Systeme aufeinandertreffen, Energie, Reaktion und Komplexität entstehen, ist ein viel beschriebenes Prinzip: Wenn zwei Ökosysteme aufeinandertreffen, entwickelt sich gerade in den Randbereichen oft eine erhöhte Diversität, die Kulturanthropologie kennt Übergangsriten als Momente größter Transformation und in der Neurowissenschaft gilt der […]

Veröffentlicht inKommentar

Geplatzte Metropolen-Träume

Am vergangenen Freitag hat der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt gegeben, dass es keinen Neubau der Oper in Düsseldorf geben wird. Dabei war das hoch ambitionierte Projekt planerisch schon sehr weit gediehen. Angesichts der angespannten Haushaltslage könne die Stadt nicht »guten Gewissens so ein Projekt angehen«, erklärte der Düsseldorfer OB, […]

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