In der Justizvollzugsanstalt in Berlin-Tegel gehen von einem riesigen, hohen Raum viele mit Gittern abgetrennte Flure und von diesen Zellen ab. Es ist kühl, voll und laut. Schritte und Stimmen hallen wie in einer Kathedrale. Mittendrin stehen Geigerin Sonja Bogner, Cellistin Clara Lindenbaum und Bratschist Avri Levitan mit ihren Instrumenten in den kalten Fingern. Sie sind hier, um ein Konzert zu geben: Mozarts Divertimento K 563. Sobald das Trio spielt, wird es schlagartig still. Es gibt keine Einführung, keine Erläuterung, keine Vermittlung, die Musik spricht für sich. In den beiden unteren Fluren kommen einige junge Männer so dicht wie möglich an die Musiker:innen heran, lehnen ihre Stirn an die trennende Gittertür. Andere sitzen auf dem Boden und lauschen mit geschlossenen Augen, während des ersten Satzes kommen immer mehr dazu.
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