Veröffentlicht inEssay

Die Archäologen der Oper

Im Jahr 2013 stand die Regisseurin und Sopranistin Julia Mintzer in der Wiederaufnahme von Achim Freyers Zauberflöten-Inszenierung an der Semperoper auf der Bühne. Die Produktion sei, so Mintzer, »in drei verdammten Tagen hochgezogen« worden. Am selben Haus, erzählt sie mir, stand die Wiederaufnahme von Ariadne auf Naxos nach nur einer Woche, für La Traviata gönnte […]

Veröffentlicht inMeldung

Drei Millionen Euro für fairere Künstlerhonorare

NRW hat als erstes Flächenland im Januar 2026 verbindliche Honoraruntergrenzen bei der Bezahlung von freischaffenden Künstler:innen eingeführt. Anders als beim Bund gelten diese bereits, sobald das Land mit einem Cent an der Förderung von Projekten beteiligt ist. Damit reagiert NRW auf die erschreckend prekäre Einkommenssituation vieler freiberuflicher Musiker:innen: Deren Brutto-Jahreseinkommen lag laut einer Prognose der […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Nicht schreien!

Am Sonntagmorgen hatte ich im Deutschlandfunk ›Die neue Platte‹ gehört, und die neue Platte war Raphaël Pichons Aufnahme der Johannes-Passion, »pünktlich zum Osterfest«: Der geschätzte Rezensent war sehr angetan, und über Pichons elastisch detailfreudiges und dabei unmittelbar berührendes Musikmachen mit dem sensationellen Chor und Ensemble Pygmalion hatte ich mich auch hier schon gefreut. Am Sonntag […]

Veröffentlicht inInterview

»Kein Musiker war der Überzeugung, dass ich es schaffen würde, ein Klavierstudium anzugehen.«

»Ich würde mich als genre- und stilübergreifender Allround-Musiker, Komponisten und Produzenten bezeichnen«, stellt sich Mert-Abdullah Çapan vor, als ich ihn am Rande eines Kongresses des Deutschen Musikrats kennenlerne. »Ich lege einen Schwerpunkt auf das klassische Klavier, bin aber auch multikulturell tätig – ich haben einen türkischen Migrationshintergrund«, erklärt er, »und ich habe eine hochgradige Sehbehinderung […]

Veröffentlicht inHundert 11

Besoffen durch Raum und Zeit

Auch in einer Stadt wie dem schönen, beschaulichen, schwierigen Görlitz schieben sich Räume und Zeiten ineinander, dass man ins Träumen und Schwindeln geraten kann. Prächtig wiederhergestellte Herrlichkeiten von Gotik bis Jugendstil liegen hier neben spürbaren Lücken und Tücken politischer Gegenwart, erneuertes Wundern neben alten Wunden; und entdeckt der Besucher dieser großartigen kleinen Stadt in der […]

Veröffentlicht inKritik

Auftakt des Mozart-›Ring‹

Wagners Ring kann man wie Mozart spielen – und das sollte man vielleicht auch. Das ist die Lektion dieses Rheingold mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko, inszeniert von Kirill Serebrennikov, das gestern bei den Salzburger Osterfestspielen Premiere hatte.  Es war eine höchst kammermusikalische Aufführung. Die Ouvertüre wird oft als Ursuppe serviert, was inhaltlich legitim […]

Veröffentlicht inKritik

Schwingende Saiten, Stimmakrobatik und weißes Rauschen

Die St. Elisabeth-Kirche in Berlin-Mitte ist ein klassizistischer Bau, den kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel in den 1830er Jahren konzipiert hat. Heute ist die Kirche längst entweiht, sie brannte im Zweiten Weltkrieg aus und wurde nicht historisch rekonstruiert. Rohe, unverputzte Wände schaffen heute in der klaren Architektur eine puristische Atmosphäre für einen auratischen Kulturort, […]

Veröffentlicht inEssay

Da fällt man vom Glauben ab

Die langen Orgeltöne des Cantus Firmus verbinden sich zu einem altbekannten Gewölbe. Die Gemeinde holt Atem und dann singt es aus vielen Mündern: »Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit«. Manche kennen den Text auswendig, einzelne auch die Nummer, die das Lied im Evangelischen Gesangbuch (EG) hat – 100.  Im Jahr 1380 lautete […]

Veröffentlicht inKommentar

Gute Nachricht gut versteckt

Keineswegs heimlich, aber medial weitestgehend unbemerkt teilte das Theater Magdeburg Ende letzte Woche mit: Im Januar 2026 reduzierte das Opernhaus seinen Energieverbrauch um etwa 30 Prozent im Vergleich zum November 2025 – trotz der deutlich niedrigeren Außentemperaturen. Mitte 2025 hatte das Haus begonnen, den Stromverbrauch im Opernhaus zu systematisch zu messen.  Damit reiht sich Magdeburg […]

Veröffentlicht inHundert 11

Pausenwein unersehnt

Bei langjährigen Streichquartetten stellt sich nach vielen Besetzungswechseln die philosophische Frage vom »Schiff des Theseus«: Ab wie vielen Plankenwechseln verliert ein Objekt seine Identität, verliert es sie überhaupt?  Grundsätzlich machen solche Revirements Kammermusik-Ensembles ja unbeschränkt seetüchtig. Das Juilliard String Quartet gibt es seit 1946, das Gewandhaus-Quartett existiert quasi seit Christi Geburt. Das Takács Quartet aber, […]

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