Veröffentlicht inKritik

Schubert im Herzen

Die Leonskaja hält sich nicht mit Höflichkeiten auf. Sie setzt sich ans Instrument und spielt. Bei der Schubertiade ist sie seit 1985 regelmäßig zu Gast. Nach ihrem Klavierabend am letzten Sonntag im Zweitausendseelendorf Schwarzenberg im österreichischen Vorarlberg, siebenhundert Meter über dem Meeresspiegel, nachdem sie ihre russisch durchtrainierte Pranke mit dem Wiener Schmäh zu jener ihr […]

Veröffentlicht inPorträt

Zu groß für eine Person

Am Dienstag meldeten die ›Badischen Neuesten Nachrichten‹ den Tod von Hans Florian Messner im Alter von 84 Jahren. In Musikkreisen war Messner vor allem durch seine Verbindung zu Pierre Boulez bekannt, dem er mehr als 40 Jahre lang als persönlicher Diener zur Seite stand. Messner stammte aus Südtirol und machte als junger Mann eine Ausbildung […]

Veröffentlicht inKritik

Götterdämmerung ohne Feuer

Aufmerksamkeit ist nicht erst seit neuestem Thema, im späten 19. Jahrhundert war es nicht anders. Richard Wagner änderte seine Meinung zum spannungsgeladenen Verhältnis zwischen der Produktion und dem Konsum von Kunstwerken immer mal wieder. Manchmal klingt in seinen Äußerungen seine revolutionäre Zeit nach: Er verachtete den Gedanken, die Rechte an seinem Werk zu verkaufen, weil […]

Veröffentlicht inRecherche

Was folgt?

Das Verhalten des Dirigenten Sir John Eliot Gardiners gegenüber einer Mitarbeiterin beim diesjährigen Bachfest war grenzüberschreitend und in seiner Wirkung verletzend. So viel scheint Konsens. Komplizierter ist die Frage: Was folgt daraus?  Während die mediale Aufmerksamkeit schon lange weitergezogen ist, beschäftigen sich mit dieser Frage derzeit die Veranstalter, bei denen Konzerte mit Gardiner und seinem […]

Veröffentlicht inKritik

Disney würde das besser machen.

Am Morgen vor dem Siegfried höre ich einen Artist Talk des »Kurators« des Rings, Marcus Lobbes, mit Griffin Kaiser, einem Filmemacher und Mitglied der Wagner-Gesellschaft von New York. Bevor ich zu Lobbes’ Erläuterungen komme, noch kurz der Hinweis: Wenn ein Werk nur mit Erklärung seines Regisseurs verstanden werden kann, ist es schon gescheitert – und […]

Veröffentlicht inKritik

Ich bin sauer

Mir scheint, dass die Familie Wagner und die Verantwortlichen der Bayreuther Festspiele nicht besonders viel für den Ring übrig haben. Das KI-Rheingold war schon schrecklich und irgendwie haben der Computer und seine »Kuratoren« es fertiggebracht, eine noch schlimmere Walküre zu produzieren. Von den vier Teilen des Rings ist die Walküre am komplexesten, sie kann besonders […]

Veröffentlicht inKritik

Sängerische Höchstleistungen hinterm Bildschirmschoner

KI ist in Bayreuth allgegenwärtig. Im Café in der Sophienstraße hängen KI-Porträts von Richard Wagner mit kitschigem Emo-Eyeliner. Auf meinem Weg zum Festspielhaus sehe ich KI-Plakate für eine Art Dinosaurier-Rodeo. KI-generierte Schilder säumen die Straßen – für Frühstück, für Eis, für Falafel. Noch bevor der KI-Ring überhaupt anfängt, gelange ich zur Überzeugung: Die meisten Menschen […]

Veröffentlicht inRecherche

Tristan Tropiques

Vor etwa einem Monat ging ein Gerücht um unter Opernfans in São Paulo: Die neue Inszenierung von Tristan und Isolde sei gestrichen. Als Regisseur Felipe Hirsch, der häufig am Opernhaus in São Paulo arbeitet, die Meldung bestätigte, war die Frustration groß, die Wagner-Oper war zweifellos das mit größter Spannung erwartete Ereignis der Saison, die Karten […]

Veröffentlicht inInterview

»Ich bin kein Wettbewerbsmensch. Ich bin glücklich, dass es auch anders geht.«

»Ehrlich gesagt, hätte ich vor elf Jahren, als ich nach Freiburg kam, nicht gedacht, dass ich immer noch hier bin«, erzählt mir die Dirigentin Friederike Scheunchen im Video-Call. »Aber es gab irgendwie immer wieder gute Gründe zu bleiben. Und mittlerweile schätze ich es sehr, eine Stadt und ihre Menschen wirklich kennenzulernen.«Ursprünglich kam Scheunchen für ein […]

Veröffentlicht inKritik

Was feiern wir?

Im Europa der 1660er Jahre hatten sich zwei dominante Arten der noch neuen Kunstgattung Oper etabliert: Die kommerzielle Oper in Venedig, später auch in Hamburg oder London, machte die Oper einem zahlenden Stadtpublikum zugänglich. Finanziert durch Ticketeinnahmen und großbürgerliche Investoren, stemmten private Operngruppen saisonal neue Produktionen. Was nicht gut ankam, verschwand von den Bühnen und […]

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