Ich treffe den Wiener Pianisten Rudolf Buchbinder in seinem Künstlerzimmer in der Alten Oper in Frankfurt, wo er sein Diabelli Project Programm spielt: in der ersten Hälfte zeitgenössische (Jörg Widmann, Lera Auerbach, Max Richter, Toshio Hosokawa) und ältere, aber weniger bekannte Variationen (Liszt, Czerny, Schubert) des kurzen, etwas banalen Walzers; in der zweiten Hälfte den […]
Tag: Dirigent:innen
»Man kann auch zu künstlerisch adäquaten Ergebnissen kommen, wenn man nicht gleich bei jedem Problem mit der TVK-Fibel in der Luft rumfuchtelt.«
Für Kevin John Edusei läuft die letzte Spielzeit als Chefdirigent der Münchner Symphoniker. In den vergangenen sieben Jahren hat er das Orchester zu einem stilsicheren und experimentierfreudigen Klangkörper entwickelt. Hartmut Welscher sprach mit Edusei per Videotelefonie über schnelllebige Karrieren, die Erweiterung des Repertoires und den Elitismus im Klassikbetrieb. VAN: Was waren die Gründe für deinen […]
»Heutzutage wird über Vibrato in den großen Orchestern leider Gottes überhaupt nicht mehr gesprochen.«
Wir treffen den österreichischen Dirigenten und Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra Manfred Honeck am Vormittag nach seinem Konzert mit dem Gustav Mahler Jugendorchester in der Elbphilharmonie Hamburg. Das Programm ist typisch für Honeck, der sich einen Ruf erarbeitet hat, die sinfonischen Schlachtrösser des 19. Jahrhunderts mit besonderer Vitalität und Frische zu interpretieren: Wagners Siegfried-Idyll, Orchestrierungen […]
»Hier sind wir, das ist unser Puls.«
Daniel Stabrawa war 35 Jahre lang Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Nach etwa 1.500 Konzerten allein in Berlin geht er jetzt in Pension. Ein Gespräch über Karajan, Abbado, Rattle und Petrenko, den Berliner Autopiloten und die größten Herausforderungen in der Vermittlung zwischen Dirigent und Orchester. VAN: Am 29. Mai haben Sie Ihr letztes Konzert als Konzertmeister […]
»Unsere Generation hat weniger Angst, dafür landet sie im Gefängnis.«
Anfang August 2020 flog der sonst in Weimar und München lebende Dirigent Vitali Alekseenok in seine Heimat Belarus, um an den Wahlen und den Protesten gegen die Regierung teilzunehmen. Trotz der brutalen Polizeigewalt, die er dort erlebte, schrieb in er in seinem Bericht aus Minsk, der Mitte August in VAN erschien: »Selbst wenn der Wendepunkt […]
»Wie kannst Du der Musik den Rücken kehren? Sie ist doch unser Ein und Alles!«
Die Studienabbruchquote an deutschen Universitäten liegt bei etwa 30 Prozent. Wesentlich größer ist die Zahl derer, die während des Studiums mit ihrer Studienwahl hadern, einen Abbruch in Erwägung ziehen, ihren Berufswunsch überdenken. An Musikhochschulen dürfte das nicht anders sein. Trotzdem ist das Reden darüber ein Tabuthema: Das Klischee vom Musikerberuf als Berufung verträgt sich nicht […]
»Ich öffne eine Weinflasche, hole ein Brötchen, spiele mit den Enkeln, und plötzlich beginnt die Kantate in mir zu klingen.«
Die J.S. Bach-Stiftung in St. Gallen will innerhalb von rund 25 Jahren das gesamte Vokalwerk von Johann Sebastian Bach aufführen. Vor Corona war dabei einmal pro Monat in der Dorfkirche in Trogen eine der über 200 Kantaten Bachs zu erleben – nach einem ritualisierten Ablauf: Man trifft sich zunächst am Freitag um 17:30 Uhr zu […]
Der eigene Spitzenverein
Václav Luks wurde 1970 fünfzig Kilometer nordwestlich von Prag – in Mittelböhmen – geboren. Früh erhielt er Klavierunterricht, später kamen Unterweisungen im Hornspiel dazu. 1990 gründete der zwanzigjährige Luks das Barockensemble Collegium 1704, das er bis heute leitet. Als Hornist spielt Luks häufig mit der Akademie für Alte Musik Berlin zusammen, Mitte Januar dirigierte er […]
Der Poltergeist
Dieses Mal waren es die Blumen, die Daniel Barenboim wütend machten, im Juli 2018, nach einem Gastspiel der Staatskapelle Berlin in Buenos Aires. Bis dahin war es Tradition, dass ihm ein Mitglied seines Orchesters während der letzten Verbeugungen einen Blumenstrauß überreicht. »Das sollte eigentlich eine herzliche Geste sein und unsere Verbundenheit ausdrücken«, erzählt ein Mitarbeiter. […]
Ein Arche-Typ
Ganz am Ende unseres Gesprächs sagt Andrew Manze einen Satz, der einen irritiert zurücklässt. Wir haben zuvor fast zwei Stunden gesprochen, über Brahms, Bruckner, Brexit, über die Hochzeitsreise mit einem Orchester und den richtigen Moment des Abschieds, über den Verlust von Imagination, richtige Tempi und Lieblingsliteratur. Manze ist ein »Maestro«, aber das Gespräch konterkarierte all […]
