Wir treffen den österreichischen Dirigenten und Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra Manfred Honeck am Vormittag nach seinem Konzert mit dem Gustav Mahler Jugendorchester in der Elbphilharmonie Hamburg. Das Programm ist typisch für Honeck, der sich einen Ruf erarbeitet hat, die sinfonischen Schlachtrösser des 19. Jahrhunderts mit besonderer Vitalität und Frische zu interpretieren: Wagners Siegfried-Idyll, Orchestrierungen von Schubert-Liedern (mit Matthias Goerne), und Beethovens 5. Sinfonie. Honeck ist der Typus Dirigent, der Passagen aus historischen Beethovenbiographien auswendig zitieren kann. Wir sprechen mit ihm über Orchesterpädagogik, seine frühen, verfehlten Ansätze am Pult und österreichische Ländler.
VAN: Sie sind gerade elf Tage auf Tournee mit dem Gustav Mahler Jugendorchester. Arbeiten Sie mit einem Jugendorchester anders als mit einem Berufsorchester?
Manfred Honeck: Ich mache da gar keinen Unterschied. Ich bin ein sehr detailverliebter Dirigent, ich bin da beinhart. Ich hüte mich davor, die jungen Menschen zu schonen, weil sie jung sind, im Gegenteil, da werden vielleicht manche Dinge noch genauer erarbeitet als in einem Berufsorchester. Und ich glaube, dass das gut ist, weil man den jungen Musikern eine realistische Vorschau auf das Berufsleben gibt. Es macht eine große Freude, mit einem Orchester zu arbeiten, in dem die Meisten Beethovens Fünfte noch gar nicht gespielt haben. Sie gehen unbeschrieben in die Proben hinein, da ist noch nichts festgelegt. Es dauert vielleicht ein bisschen länger, das kann schon sein, aber die Freude und die Bereitschaft, etwas 120-prozentig zu machen, habe ich schätzen gelernt.

