Der folgende Kommentar zielt auf einen alten, zur Gewohnheit gewordenen Missstand im professionellen Musikbetrieb. Der Treffsicherheit wegen ist er möglichst offen und direkt gehalten. Er will niemanden beleidigen; die Betroffenen sind meist Opfer eines noch immer verbreiteten Missverständnisses. Der gesamte Opernbetrieb ist hier vorerst ausgeklammert. Warum ist der Sprachgebrauch noch immer so, dass man im […]
Schlagwort: Dirigent:innen
»Wie wäre ich drauf, wenn ich seit 30 Jahren bei jeder Probe nur ›leiser!‹ oder ›früher!‹ hören würde?«
Marie Jacquot wurde 1990 in Paris geboren. Zunächst studierte sie Posaune in ihrer Geburtsstadt, dann folgten Dirigierstudien in Wien und Weimar. Nach einer Assistenz bei Kirill Petrenko an der Bayerischen Staatsoper war Jacquot 2016 bis 2019 Erste Kapellmeisterin und Stellvertreterin des Generalmusikdirektors am Mainfranken Theater Würzburg. Eine weitere Station war die Deutsche Oper am Rhein […]
»Es kann passieren, dass einen die Schönheit von Bach erst später im Leben trifft, wie ein Blitz.«
Masato Suzuki war beim Bach Collegium Japan erst Cembalist, mittlerweile leitet er das Ensemble und beerbt damit seinen Vater, Masaaki Suzuki, den Gründer des Ensembles, als Chefdirigent. Auch bei der kommenden Europatournee wird Masato Suzuki am Pult stehen. VAN: Das Bach Collegium Japan geht Ende des Monats auf Europatournee, unter anderem spielen Sie Ihre Vervollständigung […]
»Sie haben mich gefragt, ob ich ihr Chefdirigent und Daddy werden will.«
»Sieh die Musik, hör den Tanz« Wenn ich in diesem Herbst die Tschechische Philharmonie höre, sowohl live beim Heimspiel im Prager Rudolfinum als auch auf den vielen neuen Aufnahmen mit dem derzeitigen Chefdirigenten Semyon Bychkov, kommt mir oft dieses Zitat des Choreografen George Balanchine in den Sinn. Was ist anders an ihren Interpretationen der Klassiker? […]
Einsam in Reihe 17
Sie hatte sich sehr auf das Konzert gefreut. Das Weltklasse-Orchester aus Wien in der Stadt, der gefeierte Jungdirigent, dessen Lohengrin-Debüt in Amsterdam sie zuletzt so beeindruckt hatte. Ein Programm mit zumindest einem Lieblingsstück. Und dann die Enttäuschung. Das Lieblingswerk in allzu statischer Gleichförmigkeit gehalten, nicht mehr als eine auf Effekt angelegte Petitesse zum Einstieg, eine […]
Freier Fall
Als der französische Dirigent François-Xavier Roth Mitte vorletzter Woche in seiner Pariser Wohnung aufwachte, lagen gerade zwei Konzerte mit den Berliner Philharmonikern hinter und eine Tour mit dem von ihm gegründeten Ensemble Les Siècles vor ihm, er war Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln, Erster Gastdirigent des London Symphony Orchestra und designierter Chefdirigent des SWR […]
»Es gibt nur ein paar Stücke, vor denen ich keine Angst habe.«
Die Dirigentin und Sängerin Barbara Hannigan, 53, ist eine solche Naturgewalt, dass ich mich beim Hören eines Recitals mit Werken von Messiaen, Skrjabin und John Zorn am 9. Mai im Pierre Boulez Saal mit dem Pianisten Bertrand Chamayou beim Gedanken ertappte, dass auch sie unsterblich sein muss, wie Messiaens katholischer Gott (Chants de terre et […]
Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen François-Xavier Roth
Das Magazin Le Canard enchaîné, in Frankreich berühmt für seine Investigativrecherchen, wirft dem Dirigenten François-Xavier Roth in einem heute veröffentlichten Artikel sexuelle Belästigung vor. Roth, geboren 1971 in Neuilly-sur-Seine, ist seit 2015 Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln. 2003 gründete er das Orchester Les Siècles, 2017 ehrte ihn der französische Staatspräsident mit dem Verdienstorden […]
Holzpuppe oder Nixe, Hauptsache Mensch
Zu den Werken des zwanzigsten Jahrhunderts, die mich jedesmal magisch ins Konzert ziehen, gehört (wie zum Beispiel auch Janáčeks Sinfonietta) die Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta von Béla Bartók. Zu den Bartók-Werken, die mich normalerweise weniger ins Konzert ziehen, gehört die langwierige Ballettsause Der holzgeschnitzte Prinz. Beide Werke gab es nun am selben Wochenende […]
Zwischen Weitblick und Lupe
Ab und zu, nicht sehr oft, platzt einem Klassiker der Marmor ab. Mozarts Jupitersinfonie zum Beispiel. Aber halt, wo soll denn da noch Marmor gewesen sein? Mozart wird doch seit einem halben Jahrhundert freigelegt, aufgekratzt, zum Leben seiner »Klangrede« gebracht, wie Befreiungspionier Harnoncourt das nannte, und ins vibrierende Umfeld der Französischen Revolution, die in seinem […]
