Die Dirigentin und Sängerin Barbara Hannigan, 53, ist eine solche Naturgewalt, dass ich mich beim Hören eines Recitals mit Werken von Messiaen, Skrjabin und John Zorn am 9. Mai im Pierre Boulez Saal mit dem Pianisten Bertrand Chamayou beim Gedanken ertappte, dass auch sie unsterblich sein muss, wie Messiaens katholischer Gott (Chants de terre et de ciel) oder eine der Gottheiten aus Zorns Pantheon (Jumalattaret). Am 15. Mai gab das Iceland Symphony Orchestra bekannt, dass Hannigan ab der Saison 2025/26 Chefdirigentin und Künstlerische Leiterin des Orchesters wird. Ich persönlich habe mich manchmal gefragt, warum die Orchester so lange gebraucht haben, um sich für sie zu entscheiden; für Hannigan kam dieser Schritt jedoch nach eigener Aussage zum richtigen Zeitpunkt. Via Zoom spreche ich mit ihr über ihren dramaturgischen Ansatz, Angst und Barbra Streisand.

VAN: Ab August 2026 werden Sie Chefdirigentin und künstlerische Leiterin beim Iceland Symphony Orchestra. Was ist Ihnen da wichtig bei der Programmgestaltung?

Barbara Hannigan: Alle fragen mich das, aber ich habe in anderen Interviews bisher nicht darauf geantwortet, weil ich das noch nicht konkret sagen kann. Iceland [das Iceland Symphony Orchestra] meinte, einer der Gründe für die Anziehung zwischen uns, die sehr unmittelbar und aufregend ist, ist, dass wir beide innovative Programme lieben. Ich bin bekannt für die Programme, die ich mache, beim Publikum, aber auch bei den Musiker:innen. Ich denke, dass wir in Island noch weiter gehen können, was sehr spannend ist. Im World Wide Web kann man sehen, wie ich Werke für Orchester mit anderen kombiniere – nicht nur mit Werken für volles Orchester, manchmal baue ich auch Solo- oder Kammermusikwerke mit Musiker:innen aus dem Orchester in ein Programm ein, im selben Programm wechselt der Fokus zwischen sehr klein und sehr sehr groß.  


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.