Marie Jacquot wurde 1990 in Paris geboren. Zunächst studierte sie Posaune in ihrer Geburtsstadt, dann folgten Dirigierstudien in Wien und Weimar. Nach einer Assistenz bei Kirill Petrenko an der Bayerischen Staatsoper war Jacquot 2016 bis 2019 Erste Kapellmeisterin und Stellvertreterin des Generalmusikdirektors am Mainfranken Theater Würzburg. Eine weitere Station war die Deutsche Oper am Rhein (Erste Kapellmeisterin). In den letzten Jahren dirigierte Jacquot Klangkörper wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Münchner Philharmoniker, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und viele mehr.
Sie leitete außerdem Produktionen an der Semperoper in Dresden, an der Staatsoper Berlin, der Komischen Oper Berlin und der Opéra National du Rhin Strasbourg. Seit der Spielzeit 2023/24 ist Marie Jacquot Erste Gastdirigentin der Wiener Symphoniker. Mit diesem Orchester ist sie in Konzerten im Wiener Konzerthaus, im Wiener Musikverein, bei den Bregenzer Festspielen und auf Tournee zu erleben. Mit der Spielzeit 2024/25 übernimmt Jacquot außerdem die Aufgabe der Chefdirigentin des Royal Danish Theatre Copenhagen, ab 2026/27 wird sie zudem Chefdirigentin des WDR Sinfonieorchesters.
Am 2. Februar dirigiert Marie Jacquot die Premiere Guercœur von Albéric Magnard an der Oper Frankfurt. Ich treffe sie am Tag vor der Premiere in Frankfurt. Dafür, dass wir uns quasi unmittelbar vor der Premiere einer dreistündigen und weithin unbekannten Oper befinden, erscheint Jacquot sehr entspannt und sehr gut gelaunt zum Interview. Sie lächelt und lacht viel. Wir beschließen sofort, uns zu duzen.
VAN: Du hast, bevor du Dirigentin geworden bist, Posaune studiert. In Deutschland gibt es die Tradition von Posaunenchören. Das sind auch soziale Orte. Man bleibt nach der Probe gerne noch da und trinkt ein Bier. Wie war deine Posaunen-Sozialisation in der Nähe von Paris, dort, wo du aufgewachsen bist?
Marie Jacquot: Diese kirchliche Posaunenchor-Tradition haben wir nicht. Aber es gibt viele Blasorchester in Frankreich. So habe ich auch angefangen. Und getrunken wird dort natürlich auch. Nach dem Konzert – vor dem Konzert … [lacht]

