Wie kaum ein anderer war der Komponist Carlos Simon den wechselnden politischen Strömungen am Kennedy Center ausgesetzt. 2021 kam er als Composer in Residence an das Haus, nach der nächsten Spielzeit wird er es inmitten beispielloser Turbulenzen verlassen, während das Center selbst wegen einer Renovierung im Sinne Trumps geschlossen ist. Darüber spreche ich mit ihm, genau wie über sein neues Werk zur Feier der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten und seine Liebe zur Black American Culture. 

VAN: Sie wurden 2021 Composer in Residence am Kennedy Center, eine Spielzeit haben Sie jetzt noch … 

Carlos Simon: Ich bin während der Pandemie hergekommen. Das war eine schwierige Zeit, vor allem angesichts der rassistischen Vorfälle rund um George Floyd und der Polizeigewalt. In der Welt der darstellenden Künste haben sich alle damit auseinandergesetzt, wie People of Color ausgegrenzt werden, insbesondere in der Klassik-Branche. Das Kennedy Center hat damals eine ganz neue Abteilung gegründet, Social Impact – eigentlich nur ein schickes Wort für DEI [Diversity, Equity and Inclusion]. Als Teil meiner Residency haben wir The Cartography Project gegründet, ein Programm für junge Schwarze Komponist:innen. Sie kriegen dabei nicht nur einen Kompositionsauftrag, sondern arbeiten drei Jahre lang mit dem Center zusammen, entweder mit der Washington National Opera oder dem National Symphony Orchestra. In diesen drei Jahren haben sie Werke geschrieben, und ich war der Mentor. 


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... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.