Man muss sich etwas hüten, wenn man übers Posthorn-Solo im Scherzo von Mahlers 3. Symphonie schreibt. Man will ja nicht unter Kitschverdacht geraten, und dieser Episode haftete lange Zeit – und vielleicht immer noch – etwas anrüchig Idyllisches an. Aber, getreu des Journalisten-Mottos »Sagen, was ist«, muss man es dann doch gleich zu Beginn einmal hinschreiben, damit es klar ist: Diese Musik ist die pure Schönheit. Schöner war’s vorher nirgendwo, schöner wurde es seitdem nicht.

Man sieht’s ja auch, wenn man im Konzertsaal sitzt und diese Symphonie auf dem Programm steht. Wie die Zuhörerinnen und Zuhörer ergriffen sind und – bei Mahler ist man ja auch immer Zuschauender, es passiert so viel – zugleich irritiert, sobald das erste Mal der Posthornklang hineinschwebt, weil man die Person, die das Solo spielt, ja nicht sieht. Die sitzt irgendwo, nur nicht auf der Bühne, und schickt die Musik »wie aus weiter Ferne« in den Saal, so wollte es Mahler, so steht es in den Noten. Die Leute drehen die Köpfe, recken die Hälse, suchen, und finden es nicht. Da ist nur der Klang, der weht herein, ebbt ab, wallt auf, wird zurückgedrängt, schwillt wieder an. Und immer hält man die Luft an, will, dass es endlos weiter geht, aber nach zehn Minuten ungefähr ist es vorbei, »verklingend« steht im Notentext und »zurückhaltend« – vier gebundene punktierte halbe g, vier Takte Pause bis Ziffer 30, dann steht da »Rest tacet«, der Rest ist Schweigen – und vielleicht ist das auch ganz gut so, weil zu viel Schönheit dieser Klasse, wie soll man das aushalten?


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… ist Redakteur der wochentaz in Berlin und lebt in Oldenburg. Er nimmt Trompetenunterricht, nur um das Posthorn-Solo irgendwann selbst spielen zu können, die ersten Takte kriegt er jetzt schon einigermaßen hin. Sein Lehrer ist ein Schüler Reinhold Friedrichs.