Von Thomas Strässle habe ich erfahren, dass Pubertät auch die Zeit der Verheimlichung ist. Während der Unsagbares, Unsägliches passiert oder zumindest gefühlt wird und das Peinliche mit dem Coolen die ideellen Kessler-Zwillinge bildet. Ich verstehe jetzt auch, warum sich Klischees von der ›noblen Querflöte‹ und dem ›lasziven Saxophon‹ lange und hartnäckig gehalten haben. Ich erinnere mich an ›Careless Whisper‹ von Wham, der Song begann mit einer Sax-Molltonleiter über eine große Septime hoch und man wusste sofort, hier wird gleich etwas Sinnliches passieren, verbunden mit Kummer und sexy Traurigkeit. George Michael winkte im Video einer braunmähnigen Schönheit auf einer Jacht zu, obwohl er eigentlich eine liebe, liebe Freundin hatte, mit weniger Geld, aber dafür mit einem tollen Charakter. Man sah, dass er die Nacht mit der reichen Frau verbracht haben musste, weil diese ein Handtuch über die geduschten Haare gelegt hatte. Seine Freundin ertappte sie genau in diesem Moment (er lag noch im Bett mit glutrotem Überzug, aber ohne Pyjama). Inzwischen erklang nur noch ein schmerzreiches Melisma auf ououou im Song, George wurde von beiden Frauen verlassen, war sehr einsam und schaute ins Lichtermeer der Stadt. Ein schönes Klangbild für meine Pubertät, ich lege es zu den anderen neuen Eindrücken. Heute darf ich die Schriftstellerin und Historikerin Dana von Suffrin befragen. Ich verspreche mir Großes.


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… ist eine Schweizer Dirigentin, Musiktheoretikerin, Festivalkuratorin und Produzentin des Labels Schweizer Fonogramm. Zwischen 1998 und 2000 war sie Assistentin an der Berliner Philharmonie und an den Salzburger Osterfestspielen.