Veröffentlicht inHundert 11

Einleuchtend, nicht erläutert

Es gibt innovative Konzertformate, die sind so nervig wie ein Steinchen im Schnürstiefel. Und es gibt die Casual Concerts des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO), die sind längst ein Klassiker. Eingeführt hat sie vor fünfzehn Jahren der damalige Chefdirigent Ingo Metzmacher: Orchester in Alltagsklamotten, ein einzelnes Werk im stets vollen Großen Saal der Philharmonie einführend erklärt […]

Veröffentlicht inHundert 11

Akademisch, vulkanisch

(Fast) immer, wenn ich Musik von Sergej Tanejew höre, frage ich mich, warum er nicht öfter gespielt wird. Denn obwohl in praktisch jedem Programmheft steht, der russische Komponist habe Zeitgenossen als »akademisch« und »trocken« gegolten, erlebe ich seine Musik stets von neuem als feurig, ja vulkanisch; außerdem verliebte sich ja auch die lebenshungrige Sofia Tolstaja, […]

Veröffentlicht inHundert 11

Vielleicht gerade richtig

Während ich tags zuvor beim Krematoriums-Konzert des Solistenensemble Kaleidoskop und der Sängerin Anika gefühlt der älteste Sack im Saal war, könnte ich mir bei den Berliner Philharmonikern glatt die Schwachheit einbilden zu meinen: Hier wäre ich der jüngste. Denn vor Konzertbeginn werden wir per Lautsprecher-Ansage nicht nur ums Ausschalten unserer notorischen Handys gebeten, sondern auch […]

Veröffentlicht inRausch & Räson

Allegro molto vivace

Im ICE war ich wieder auf Tschaikowsky gekommen, mit ihm macht Eisenbahnfahren noch Spaß, und im Finale der Fünften kann man sogar so etwas wie eine vor Sehnsucht außer Kontrolle geratene Dampflok über die Schienen rasen sehen. Aber jetzt war mir nach einem Scherzo, und ich suchte auf Youtube nach dem aus der Zweiten Sinfonie, […]

Veröffentlicht inKommentar

Wahnwärter Thielemann?

Berlin hat ein Faible für tote Pferde. Gerade vollführt der neue CDU-Senat einen verkehrspolitischen Rollback, in dem unter der Chimärenparole des »fairen Miteinanders« die totale Dominanz des privaten Automobils betoniert wird: Weil die Stadt von tapsigen Grünen (Stichwort Friedrichstraße) genervt war, pfeift man auf die Erfahrungen und den Mut von Amsterdam und Kopenhagen, Paris und […]

Veröffentlicht inHundert 11

Zwielaunig

Keinen großen Ausknall setzt es zum Festivalende mit irgendeinem traditionsberstenden Global Philharmonic Orchestra, stattdessen ein paar kleinere, spezielle Programme. Die immer etwas aleatorische Gemischtwarenladigkeit macht ja Schwäche wie Reiz des Musikfests Berlin aus: Neben dem Aufdefilée vielerleier Brillanzorchester aus Amsterdam und London, aus München und Boston und Israel gab es auch ein mehrteiliges Rachmaninow-Spezial von […]

Veröffentlicht inHundert 11

Aus Neu mach Alt

Nach zwei bajuwarischen Riesengaudis kehrt nun zweimal belgo-berlinische Strenge und Ernsthaftigkeit in die Philharmonie zurück. Denn Gaudis waren es ja, dieses tiefenbedürftige Auferstehungsspektakel Mahler Zwo und jener straussige Riesennietzschejux Alpensinfonie, die Anfang der Woche von Münchner Spitzenorchestern dargeboten wurden. (Dass in einem der Konzerte Alban Berg immerhin einen ins Innerliche wandernden Kontrast zur Alpensinfonie bot, […]

Veröffentlicht inHundert 11

Entfaltend

Diese Euphorie möchte man keinesfalls knicken. Und das nicht etwa, weil »Berlins erste Chefdirigentin« Schutz bräuchte, sondern einfach, weil der Enthusiasmus von Orchester, Dirigentin und sich drängendem Publikum derart ansteckend ist. Selbst die Philharmonie, wo das Konzerthausorchester im Rahmen des Musikfests Berlin ein Gastspiel gibt, ist knallvoll. Das ist auch absolut berechtigt: nicht nur, weil […]

Veröffentlicht inReportage

Entspannt auf Hochtouren

Es gibt auf Youtube eine Aufnahme des Royal Concertgebouw Orchestra aus dem Jahr 1973: Beethovens drittes Klavierkonzert, mit Artur Rubinstein am Klavier und Bernard Haitink am Pult. Es macht großen Spaß, die Aufzeichnungen zu hören – mit dem jungen Haitink, dem 86-jährigen Rubinstein und dem unverwechselbaren Klang des Orchesters, der gerne als zugleich homogen und […]

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