In den Tiefen des Internets findet sich ein Foto von Vasily Petrenko, wie er mit einem Bündel 5-Pfund-Noten neben einer Mülltonne posiert. Das Bild war Teil der Kampagne »Be A Binner, Not A Sinner« (in etwa: Nutz den Mülleimer, sei kein Sünder) des Liverpool Echo, der Liverpool sauberer machen und so den Ruf der Stadt retten wollte. Dieser war in Mitleidenschaft gezogen worden durch den Schriftsteller Bill Bryson, der bei seiner Ankunft in Liverpool feststellte, dass dort, wie er es ausdrückte, offenbar »ein Festival des Mülls« gefeiert würde. Der Echo gab allen, die ihren Müll in die öffentlichen Abfallbehältern entsorgten, 5 Pfund. Bei einem Aktionstag war auch Petrenko dabei, um Geld zu verteilen. »Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich erfolgreich war«, meint Petrenko heute. (In einem Bericht aus dem Jahr 2022 heißt es, dass die Stadt ein dreimal so großes Müllproblem hat wie der Landesdurchschnitt.)

In seiner Zeit als Chefdirigent des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra engagierte sich Petrenko nicht nur für das musikalische Leben in Liverpool, sondern auch darüber hinaus für die Stadtgesellschaft. Das wurde ihm hoch angerechnet. 2009 erhielt er die Auszeichnung »Honorary Scouser« der Stadt, sieben Jahre später wurde er zum Ehrenbürger ernannt. 2021 besuchte ich eines der »Ehrenrunden-Konzerte«, mit denen sich LPO und Petrenko voneinander verabschiedeten. »Das besondere Gefühl des Einklangs zwischen Orchester, Dirigent und Stadt war an diesem Abend deutlich zu spüren«, schrieb ich damals.

Petrenko ging 2012 nach London, um Chefdirigent des Royal Philharmonic Orchestra (RPO) zu werden. Wir treffen uns in der Nähe seines neuen Hauses in West Hampstead, einer wohlhabenden Gegend im Nordwesten Londons. Eigentlich wollten wir über die bevorstehende halbszenische Aufführung der späten Tschaikowsky-Oper Iolanta durch das RPO sprechen – doch wir kommen nicht dazu. Petrenko möchte offenbar dringend über anderes sprechen.


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… ist Redakteur der englischsprachigen VAN-Ausgabe. Er lebt in London.