China-Tourneen deutscher Orchester dienen fast ausschließlich Vermarktungsstrategien und politischer Instrumentalisierung. Der viel beschworene »Kulturaustausch« findet kaum statt. Eine vertane Chance.
Autoren-Archive: Hartmut Welscher
... ist Gründer und Herausgeber von VAN.
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Lebenslänglich
Zu Beginn von Ingmar Bergmans Film Szenen einer Ehe lernen wir Marianne und Johan kennen, die als Muster-Ehepaar für die Homestory einer Zeitschrift interviewt werden. »Glaubst Du wirklich, dass zwei Menschen ihr ganzes Leben zusammenbleiben können?«, fragt Marianne in einer der nächsten Szenen ihren Mann. »Das ist so eine absurde Konvention, die wir ich weiß nicht […]
»Ich war fast schon skeptisch, dass etwas, was so viel Spaß macht, mit so wenig Angst und Überwindung von Scham einhergeht.«
VAN: Bis zu einem bestimmten Punkt liest sich Ihre Biographie wie die eines typischen klassischen Musikers: Sie haben mit vier Jahren angefangen, Geige zu spielen, Jugend-musiziert-Wettbewerbe gewonnen, im Landesjugendorchester NRW gespielt … Wann und warum haben Sie den Weg verlassen? Sabin Tambrea: Richtig erfüllt hat mich das aktive Spielen eigentlich nie, aber das wusste ich […]
»Egal wie viel ich zahle, du erzählst mir nicht, was ich anzuziehen habe.«
Tim Raue ist einer der besten Köche Deutschlands. Sein nach ihm benanntes Restaurant in der Rudi-Dutschke-Straße in Berlin-Kreuzberg hat zwei Michelin-Sterne, 19,5 Punkte im Gault Millau und ist als eines von zwei deutschen Restaurants platziert in der Liste »The World’s 50 Best Restaurants«. Als bisher einzigem deutschen Koch widmete die Netflix-Dokuserie »Chef’s Table« Raue eine […]
»Bei keinem Konzerthaus der Welt kommt es nur auf die Akustik an.«
Im Januar 2022 feiert die Elbphilharmonie ihr fünfjähriges Bestehen und selbst vormalige Kritiker:innen des Leuchtturmprojekts bilanzieren, dass der Bau trotz absurd skandalöser Vorgeschichte mittlerweile zu einer Erfolgsstory für die Musikstadt Hamburg und die Klassikwelt insgesamt geworden ist. Zum Jubiläum hat sich Hartmut Welscher mit Christoph Lieben-Seutter, seit 2007 Generalintendant der Laeiszhalle und Elbphilharmonie, zum Videotelefonat […]
»Wie stellst du dir vor, dass wir als Orchester aus dieser Spirale rauskommen?«
Der Slogan »Impfen schützt auch die Kultur«, den der alte und neue Berliner Kultursenator Klaus Lederer auf T-Shirts durch den Wahlkampf trug und der diese Woche die Fassaden Dresdner Kulturinstitutionen schmückt, suggeriert klare Verhältnisse: auf der einen Seite die fragile, schützenswerte Kultur, auf der anderen jener Teil der Bevölkerung, der sich Impfungen verweigert und damit […]
»Man kann auch zu künstlerisch adäquaten Ergebnissen kommen, wenn man nicht gleich bei jedem Problem mit der TVK-Fibel in der Luft rumfuchtelt.«
Für Kevin John Edusei läuft die letzte Spielzeit als Chefdirigent der Münchner Symphoniker. In den vergangenen sieben Jahren hat er das Orchester zu einem stilsicheren und experimentierfreudigen Klangkörper entwickelt. Hartmut Welscher sprach mit Edusei per Videotelefonie über schnelllebige Karrieren, die Erweiterung des Repertoires und den Elitismus im Klassikbetrieb. VAN: Was waren die Gründe für deinen […]
Nur für Stammgäste
Vom österreichischen Cellisten Kian Soltani ist Mitte Oktober bei der Deutschen Grammophon eine neue Aufnahme erschienen. Sie heißt »Cello Unlimited« und umfasst 15 Tracks mit Filmmusik unter anderem von Howard Shore (Lord of the Rings), Hans Zimmer (Pirates of the Caribbean, Da Vinci Code) und John Powell (Bourne Identity), sowie zwei Eigenkompositionen. Soltani hat mit […]
»Ich habe mir zwölf Sekunden gewünscht und habe 17 Jahre bekommen.«
Die Berliner Philharmoniker sind eines der besten Orchester der Welt und für viele junge Instrumentalist:innen ein Karriereziel, auch für den Fagottisten Mor Biron. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie in Rehovot, Israel – sein Vater Avner Biron ist Dirigent und Gründer des Kammerorchesters Israel Camerata Jerusalem – träumte er bereits als Kind davon, ›einmal zwölf Sekunden in […]
»Es gibt eine ganze Menge Puritanismus und Verklemmtheit in der klassischen Musikindustrie.«
Es gibt wenige Sängerinnen, die sich musikalisch so stilsicher durch verschiedene Genres und Epochen der Musikgeschichte bewegen wie Anna Prohaska. Wenn sie wie in ihrem mit Patricia Kopatchinskaja entworfenen Programm Maria Mater Meretrix an einem Abend Musik von Hildegard von Bingen, Crumb, Eisler, Tavener und Kurtág miteinander verbindet, wird das nie beliebig, aufgesetzt oder prätentiös, […]
