Zu Beginn von Ingmar Bergmans Film Szenen einer Ehe lernen wir Marianne und Johan kennen, die als Muster-Ehepaar für die Homestory einer Zeitschrift interviewt werden. »Glaubst Du wirklich, dass zwei Menschen ihr ganzes Leben zusammenbleiben können?«, fragt Marianne in einer der nächsten Szenen ihren Mann. 
»Das ist so eine absurde Konvention, die wir ich weiß nicht woher geerbt haben«, antwortet Johan. »Die Menschen sollten einen Fünfjahresvertrag abschließen, oder einen, der jährlich erneuert werden muss, damit sie kündigen können.« 
»Sollte wir nicht auch so einen entwerfen?«
»Nein, du und ich nicht.«.
»Aber warum wir nicht?«
»Wir sind die Ausnahme, die die Regel bestätigt.« 
»Dann glaubst Du also, dass wir unser ganzes Leben lang zusammenbleiben werden?« 
»Was für eine komische Frage.« 

Im Jahr 2000 wurde Daniel Barenboim von der Staatskapelle Berlin, dem Orchester der Staatsoper Berlin, wo Barenboim bereits seit 1992 Generalmusikdirektor ist, zum Chefdirigenten auf Lebenszeit gewählt. Es war eine Entscheidung, die wie eine Garantie auf goldene Zeiten schien, künstlerisch wie finanziell. Bei Vertragsverhandlungen schlug Barenboim für seine Musiker:innen regelmäßig mehr Geld raus, so wie 2000, als er für die Staatskapelle im Berliner Opernstreit die sogenannte »Kanzlerzulage«, jährlich 1,8 Millionen Euro aus Bundesmitteln, einwarb. Dazu kommen seit 2018 1,2 Millionen Euro im Jahr aus dem Hauptstadtfinanzierungsvertrag. Seine Absicht, die Staatskapelle wieder zu einem der bestbezahlten Orchester Deutschlands zu machen, hat Barenboim damit erfüllt. Musikalisch bewahrte er den dunklen Klang der Kapelle, machte ihn aber gleichzeitig agiler und erweiterte zumindest anfänglich das Repertoire. Regelmäßige Tourneen und Residenzen in den internationalen Musikzentren mehrten das Renommee des Orchesters und erwarben ihm den Ruf eines nationalen Kulturleuchtturms. Die Gastspiele mit Barenboim am Pult sind stets ausverkauft. Als Barenboim 2000 seinen Verbleib in Berlin ankündigte, schrieb die Berliner B.Z.: »Gestern fiel das schönste Ja in Berlin.« Der österreichische Standard titelte über ein Konzert der Staatskapelle im Wiener Musikverein Ende letzten Jahres: »Herrliche Szenen einer Orchesterehe«. 


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... ist Gründer und Herausgeber von VAN. ✉️ hartmut@van-verlag.com

... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.