Die langen Orgeltöne des Cantus Firmus verbinden sich zu einem altbekannten Gewölbe. Die Gemeinde holt Atem und dann singt es aus vielen Mündern: »Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit«. Manche kennen den Text auswendig, einzelne auch die Nummer, die das Lied im Evangelischen Gesangbuch (EG) hat – 100.
Im Jahr 1380 lautete der Text noch »We schollen alle vrolik sein to tesser osterliken tyd«. Er erklang damals in einem Kloster bei Lüneburg. Vor rund 650 Jahren wurde dieses Lied also schon gesungen – wenn auch noch mit anderer Melodie. Die heute übliche Weise entstand im Jahr 1410 und entwickelte sich bis 1573 weiter. Die Geschichte der vergangenen Zeit scheint Musik und Text mit schönster Patina zu veredeln und verleiht dem Lied die Würde eines alten Gemäldes, das man nicht anzufassen wagt – und es auch nicht kann, da eine Ausstellung nur hinter Sicherheitsglas zu verantworten ist.

