Dass manche Musikkritiker etwas ledrige Zeitgenossen sind, mag auch mit dem manchmal »sauren Amt« (Beckmesser) zu tun haben, aber auch wirklich jede Opernpremiere begutachten zu müssen. Probates Mittel zur Vorbeugung aller Verlederung: öfters Arbeiten wieder besuchen, die gestern gut waren, heute gut sind und morgen gut sein werden. Etwa Ruth Berghaus’ alte Inszenierung von Pelléas […]
Schlagwort: Staatsoper Unter den Linden
Was kommt, was bleibt, was fehlt?
Eine Kritikersternfahrt zu Mittwoch aus Licht von Karlheinz Stockhausen und ein Opernskandal mit Ansage, wenn Milo Rau den Fliegenden Holländer von Richard Wagner als Drama des deutschen Volks deuten wird, das nach dem Holocaust Erlösung ausgerechnet bei den Opfern sucht, diese beiden ganz offensichtlich auf Öffentlichkeitswirkung kalkulierten Premieren ragen heraus aus der ersten Spielzeit von […]
Glück, das an uns vorbei ging
Unter den Linden hat Sir Simon Rattle am Sonntag endlich seinen Janáček-Opern-Zyklus komplettiert. Auch Rattles Gattin, die mit ihrer bezaubernden Porzellanstimme allezeit treffsichere Mezzosopranistin Magdalena Kožená, trat im zweiten Akt kurz in Erscheinung. Nämlich in der Rolle des feschen Herrn Reinecke, der die schlaue Fuchsfrau vernascht und heiratet. Woraufhin der Chor des Waldes in einen […]
Umfangreiche Reisetätigkeit
»Felor Badenberg absolviert die mit Abstand meisten Dienstreisen aller Senatsmitglieder«, berichtete der ›Tagesspiegel‹ in seiner gestrigen Ausgabe. In weniger als drei Jahren meldete die Berliner Justizsenatorin (CDU) 43 Dienstreisen – mehr als doppelt so viele wie das Senatsmitglied mit den zweitmeisten Reisen, Innensenatorin Iris Spranger (20 Dienstreisen), und auch deutlich mehr als der Regierende Bürgermeister Kai […]
Mädel, was fangst du jetzt an?
Vom Anfang hängt alles ab; oder zumindest ziemlich viel. Am Anfang von Alban Bergs Oper Wozzeck entgegnet der Protagonist seinem Vorgesetzten gleich zweimal »Jawohl, Herr Hauptmann«, dann einmal »Schlimm, Herr Hauptmann, schlimm, Wind« und schließlich noch einmal »Jawohl, Herr Hauptmann«. Dreimal also dieses Untertanenwort Jawohl, in dessen bellend-unterwürfigem Sound für Dostojewski, in seinem Roman Der […]
Ausgeabert!
Nicht nur der Lärm selbst ist eine der schwersten Alltagslasten, sondern auch und mehr noch extrem ruhebedürftige Menschen; der Autor dieser Zeilen (wie Kritiker in Deutschland statt »ich« sagen) spricht aus Erfahrung. Daneben gibt es aber bekanntlich auch Menschen, für die zu den größten Krachplagen überhaupt zählt: Oper, zumal solche von Strauss. Diese Plage ist […]
Ototoĩ pópoi dã, du synekdochische Wimper!
Welche Art Musik braucht es für einen Raum mit über 1.300 Plätzen, ja gar fast 1.900 Plätzen? Zwei Versuche sind zu erleben, zu besichtigen, zu behörigen dieser Tage in Berlin: einmal vom belgischen Komponisten Bernard Foccroulle an der Berliner Lindenoper, einmal von der britisch-deutschen Komponistin Rebecca Saunders an der Deutschen Oper in Charlottenburg. Beide auf […]
Die Hussiten siegen beim Eishockey
Schnuppe, ob nun le parole oder la musica zuerst: Sprache spielt in jeder Oper eine wichtige Rolle, sonst wär’s ja Ballett, Sinfonische Dichtung oder irgendein schlanglanges Schlimpimpel. Aber es gibt Werke, bei denen die Sprache eine besonders herausragende Angelegenheit ist, ohne dabei doch irgendwie »über« der Musik zu stehen. In Kaija Saariahos Gegenwartsoper Innocence (aktuell […]
Entspielend
Einer der zu wenig beachteten Gründe, warum Gegenwartsoper kaum je so reinknallt wie die Ewigen Repertoire-Rosse (oder heißt es Rösser?), ist das Fehlen von Pausen. Die meisten Gegenwartskomponierenden spulen stringentes äußeres oder inneres Drama, straffe 100 Minuten am Stück, wie ein konziser Kinofilm. Künstlerisch oft verständlich, aber das Opernerlebnis nimmt sich damit auch aus der […]
Walomat: neutral
Gleich zwei mächtigen Meeressäugern finden sich hier Musik und Bühne gegenüber: Da ist zum einen der zugrundeliegende, 1989 auf Ungarisch erschienene Roman Melancholie des Widerstands von László Krasznahorkai, einem Schriftsteller von Weltrang, wie man so sagt. Und zum anderen der nach demselben Buch entstandene Béla-Tarr-Film Die Werckmeisterschen Harmonien, der auf der BBC-Liste der 100 bedeutendsten […]
