»Felor Badenberg absolviert die mit Abstand meisten Dienstreisen aller Senatsmitglieder«, berichtete der ›Tagesspiegel‹ in seiner gestrigen Ausgabe. In weniger als drei Jahren meldete die Berliner Justizsenatorin (CDU) 43 Dienstreisen – mehr als doppelt so viele wie das Senatsmitglied mit den zweitmeisten Reisen, Innensenatorin Iris Spranger (20 Dienstreisen), und auch deutlich mehr als der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (18 Dienstreisen). Auffallend sei zudem nicht nur die Anzahl der Reisen, sondern auch deren Ziele: Diese lägen häufig in Badenbergs Heimat NRW, wo die Senatorin in Köln eine Wohnung besitzt und oft ihre Wochenenden verbringt. In zahlreichen Fällen stünden diese Heimatbesuche in Verbindung mit NRW-Dienstreisen an einem Freitag oder Montag. »Hat Badenberg private Termine als Anlass für Dienstreisen genutzt?«, fragt der ›Tagesspiegel‹ – die Justizverwaltung verneint, die Senatorin spricht von Unterstellung, die Opposition von »einem Anschein von Selbstbedienungsmentalität«.

Dienstreisekosten der Intendant:innen der drei Opernhäuser unter dem Dach der Stiftung Oper in Berlin für die Kalenderjahre 2022, 2023 und 2024 • Quelle: Stiftung Oper in Berlin

Auch bei den Leitungspositionen in der Berliner Kultur zeigt sich ein starkes Gefälle bei den Dienstreisen: So lagen die Reisekosten der Intendanz der Komischen Oper im Kalenderjahr 2024 mehr als fünfmal so hoch wie bei der Deutschen Oper und sogar 72-mal so hoch wie bei der Staatsoper Unter den Linden (siehe Graphik). Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage bei der Stiftung Oper in Berlin, der Dachorganisation der drei großen Berliner Opernhäuser, hervor. Bereits 2023 waren die Reisekosten der Intendanz der Komischen Oper mehr als dreimal höher als bei den anderen beiden Häusern. Nach VAN vorliegenden Unterlagen unternahmen die beiden Ko-Intendant:innen der Oper, Susanne Moser und Philip Bröking, die in der Spielzeit 20222/23 die Leitung übernommen hatten, allein zwischen März und Oktober 2023 Dienstreisen unter anderem nach Straßburg, Turin, Basel, Valencia, Frankfurt, Amsterdam, Buenos Aires, Zürich, Hamburg, Glyndebourne, London, Bad Kissingen, München, Aix-en-Provence, Bregenz, Salzburg, Paris und Kopenhagen – zum Teil mehrfach an denselben Ort – und beide zu denselben Veranstaltungen. So besuchten sowohl Bröking als auch Moser die Generalprobe von Barrie Koskys Inszenierung der Dialogues des Carmélites beim Opernfestival in Glyndebourne am 7. Juni 2023 und die Premiere von Koskys Rheingold-Inszenierung am Royal Opera House London am 11. September desselben Jahres. Die Hotelübernachtungen in London kosteten dabei teils über 400 Euro pro Nacht. Bahnfahrten wurden fast ausschließlich 1. Klasse absolviert, obwohl nach den aktuellen Vorgaben der Stiftung Oper grundsätzlich nur Fahrten in der 2. Klasse erstattungsfähig sind. 


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