Manchmal gibt es in der Welt der Oper (Wieder-)Begegnungen mit Inszenierungen, die alle leidigen Diskussionen über Regie-, Nichtregie- oder Regisseurstheater, über Werktreue oder Werkattentate vollkommen nichtig erscheinen lassen. So geht es mir mit Arbeiten von Ruth Berghaus, die bald dreißig Jahre tot ist. Im vergangenen Jahr verzauberte ihre Einrichtung von Rossinis Barbier von Sevilla von 1968 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden in einer hinreißend besetzten und musizierten Aufführung; sie wird im kommenden Jahr dort ebenso wiederkehren wie ihre klug betörenden Pelléas et Mélisande. In Hamburg nun stand der scheidende Generalmusikdirektor Kent Nagano in seinen letzten Dirigaten von Amts wegen eben bei Berghaus’ Wagnerregie Tristan und Isolde im Graben; eine würdige Wahl zum Farewell.
Denn diese Inszenierung der späten Berghaus aus dem Jahr 1988 ist ein Klassiker auch in der gewissen Befremdlichkeit, die sie heute ausstrahlt kraft ihrer kosmischen Verkühltheit. Schon auf dem Bühnenvorhang richtet sich der Blick halbrund ins All, auf eine Mondkugel, die die alleingebliebene Isolde dann am Ende umarmen wird. So sehen wir bereits im langsam einsetzenden Vorspiel diesen Einsamkeits-Mond über die Silberkugeln der Hamburger Abonnentenköpfe hinweg, und da ist man selbst gleich ganz vergänglicher Himmelskörper unter zahllosen anderen in des Welt-Atems wehendem All. Im ersten Aufzug begegnen uns die Handelnden auf einer Art Kreuzfahrt im Weltall, der Herr Tristan lungert zuerst oben auf dem offenen Monddeck herum, während Isolde und Brangäne von zehn oder zwölf luna-bleichen Schweigemännern umgeben sind, die allerlei mysteriösen Schabernack mit Liegestuhl-Verklappungen betreiben, für heutige Zuschauer nicht immer recht einleuchtend.

