Veröffentlicht inHundert 11

Mädel, was fangst du jetzt an?

Vom Anfang hängt alles ab; oder zumindest ziemlich viel. Am Anfang von Alban Bergs Oper Wozzeck entgegnet der Protagonist seinem Vorgesetzten gleich zweimal »Jawohl, Herr Hauptmann«, dann einmal »Schlimm, Herr Hauptmann, schlimm, Wind« und schließlich noch einmal »Jawohl, Herr Hauptmann«. Dreimal also dieses Untertanenwort Jawohl, in dessen bellend-unterwürfigem Sound für Dostojewski, in seinem Roman Der […]

Veröffentlicht inEssay

»Das ist Ihr Höhepunkt bis jetzt!«

»Soeben 1 Uhr sind Mahler u. Frau abgereist, lassen Dich herzlich grüßen, der italienische Componist Puccini war eigens auch aus Pest gekommen, viel junge Leute aus Wien, deren einziges Handgepäck ein Klavierauszug war, – es regnet u. ich sitze auf der Gartenterrasse des Hotels, um Dir zu berichten, daß Salome sehr gut gegangen, ein Riesenerfolg, […]

Veröffentlicht inHundert 11

Schmerzschmelzend

Aber diese Posaunen. Kein Programmheft-Text (selbst nicht die besten, die in Berlin regelmäßig der RSB-Dramaturg Steffen Georgi schreibt) kommt zu Brahms’ zweiter Sinfonie ohne den Hinweis auf deren Wörthersonnigkeit und D-Dur-Bläue aus; natürlich, um dann sogleich ordnungsgemäß Zweifel anzumelden und allerlei Gräue in die Bläue zu mischen. Eben genau, wie es die Pauken und diese […]

Veröffentlicht inInterpretationsvergleich

Unheile Welt

Das Konzert für Violine und Orchester von Alban Berg gilt als tiefgründig, großartig, grundtraurig, meisterhaft – und dafür, dass es von Alban »Publikumsgift« Berg stammt, wird es sogar erstaunlich häufig gespielt. Und noch häufiger aufgenommen. Will man »groß« sein, muss man auch (auf) »groß« machen und als geigende Person unbedingt irgendwann – no matter what […]

Veröffentlicht inKritik

Ein traumatisiertes Kind

In Alban Bergs Oper Lulu wird viel gestorben; richtig herzzerreißend sind aber vor allem die vier Tode, die Gräfin Geschwitz sich ausdenkt, als sie sich im dritten Akt endlich eingesteht, dass Lulu gar nichts für sie empfindet. Welche Art, sich umzubringen – erschießen, erstechen, erhängen, von einer Brücke springen – könnte Lulu bewegen, ihr eine […]

Veröffentlicht inHundert 11

Et in America ego

Vielleicht ist – oder war? – »Amerika« für uns das, was im sechzehnten, siebzehnten, achtzehnten Jahrhundert »Arkadien« war: diffuse Utopie, auch wenn man’s irgendwo ansiedeln kann (etwa wie Goethe sein Ego-Arcadia in Italien). Nur eben mit rauen Cowboys und -girls statt heißen Hirten und schönen Schäferinnen. Insofern passt es, wenn beim diesjährigen Musikfest Berlin unter […]

Veröffentlicht inHundert 11

Effekt ohne Haschmich

Elisabeth Leonskaja ist zum Glück höchst lebendig. Am Berliner Konzerthaus gibt es neben der jeweiligen Residence eines verhältnismäßig jungen Künstlers (in dieser Saison des Geigers August Hadelich) regelmäßig konzentrierte Hommages an, sagen wir mal, große Alte. Die müssen gar nicht mehr sehr aktiv sein. Im Fall von Alfred Brendel spielten vorwiegend junge, von ihm geförderte […]

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