Vielleicht ist – oder war? – »Amerika« für uns das, was im sechzehnten, siebzehnten, achtzehnten Jahrhundert »Arkadien« war: diffuse Utopie, auch wenn man’s irgendwo ansiedeln kann (etwa wie Goethe sein Ego-Arcadia in Italien). Nur eben mit rauen Cowboys und -girls statt heißen Hirten und schönen Schäferinnen. Insofern passt es, wenn beim diesjährigen Musikfest Berlin unter dem Leitthema Amériques auch ein Konzert des Collegium Vocale Gent unter dem Titel Et in Arcadia ego stattfindet: Darin ist italienische Musik aus einer Zeit zu hören, als Amerika gerade einmal seit einem Jahrhundert »entdeckt« war und Mantua, nicht Manhattan Nabel der westlichen Welt war. Im Übrigen ist das Gesamtkonzeptuelle beim Musikfest, mit dem in Berlin traditionell die neue Saison eingeläutet wird, ja immer nur semi-dominant. Denn es treten stets auch renommierte Orchester mit zusammenhangfreien aktuellen Sommerreise-Programmen auf, sodass es neben dem Saisonthema ebenso einfach bewährte Tourneeknaller zu hören gibt, wie dieses Jahr vom Scala-Orchester mit Riccardo Chailly Ravels Daphnis et Chloé-Suite. Die aber natürlich auch irgendwie noch arkadisch ist.
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