Aber diese Posaunen. Kein Programmheft-Text (selbst nicht die besten, die in Berlin regelmäßig der RSB-Dramaturg Steffen Georgi schreibt) kommt zu Brahms’ zweiter Sinfonie ohne den Hinweis auf deren Wörthersonnigkeit und D-Dur-Bläue aus; natürlich, um dann sogleich ordnungsgemäß Zweifel anzumelden und allerlei Gräue in die Bläue zu mischen. Eben genau, wie es die Pauken und diese Posaunen gleich in den strahlenden Beginn der Sinfonie hinein tun, in Takt 32/33 ff. Sofort scheinen dann Flöte und Oboe Einspruch gegen den Einspruch tun zu wollen, quasi mit durchgedrücktem Kreuz; aufs sich wiederholende Pauke-Posaunen-Gemisch aber antworten Klarinette und Fagott schon, obwohl mit der gleichen Figur wie die Kollegen, merklich ersterbender, resignierender – oder eben einvernehmend. Das Orchester verständigt sich leicht in Brahms’ Zweiter: kein Glück ohne Weh, kein Schmelz ohne Schmerz.
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