Veröffentlicht inThe Society of Music

Mittwochabend am Gral

Alles sollte es sein, bloß keine »Oper«. Und so gab Wagner seinem opus ultimum den krudesten aller Genretitel: Bühnen-weih-fest-spiel. Was das nun soll? – ›Das sagt sich nicht‹, ließe sich Ritter Gurnemanz zitieren, als der reine Tor Parsifal, noch nicht durch Mitleid wissend geworden, fragt, worum es sich bei diesem Gral denn wohl handelt. Irgendwie […]

Veröffentlicht inKritik

Auftakt des Mozart-›Ring‹

Wagners Ring kann man wie Mozart spielen – und das sollte man vielleicht auch. Das ist die Lektion dieses Rheingold mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko, inszeniert von Kirill Serebrennikov, das gestern bei den Salzburger Osterfestspielen Premiere hatte.  Es war eine höchst kammermusikalische Aufführung. Die Ouvertüre wird oft als Ursuppe serviert, was inhaltlich legitim […]

Veröffentlicht inEssay

»Auch das geht vorüber.«

Lange bevor ich alkoholabhängig wurde – lange, bevor ich überhaupt Alkohol probiert hatte –, war ich süchtig nach Musik. Seit ich mit zehn Jahren die Lacrimosa aus Mozarts Requiem entdeckt hatte und mit ihr auch die stimmungsverändernde Wirkung von Musik, missbrauchte ich sie wie ein abgebrühter Junkie: Sie wurde mein Werkzeug, um Gefühle zu regulieren, […]

Veröffentlicht inInterview

»Es war mir natürlich etwas peinlich, aber ich blieb sowohl gegen die Beatles als auch gegen die Stones völlig gleichgültig.«

Earl Wilson, der amerikanische Kolumnist, schrieb einmal folgenden Satz: »Schnee und Pubertät sind die einzigen Probleme, die verschwinden, wenn man sie lange genug ignoriert.« So sehr mir der Satz gefällt, so wenig lässt er sich auf meine eigene Adoleszenz anwenden: Ich hatte irgendwie keine Pubertät, es hing mit der kirchlich durchgetakteten, mit Ritualen und heidnischen […]

Veröffentlicht inHundert 11

Gralsritter der Kokosnuss

An den Moment der Gralsenthüllung darf man hier, in der Stadt des weltberühmten Genter Altars, der ursprünglich nur dreimal im Jahr zu den höchsten christlichen Festen geöffnet wurde (eine überwältigende Wirkung muss das gewesen sein), wohl die allerhöchsten Erwartungen haben. Doch im Genter Opernhaus – das mit dem dortigen Musikfestival nichts zu tun hat – […]

Veröffentlicht inEssay

Bar jeder Vernunft

Dem amerikanischen Baritenor Michael Spyres verdanke ich einen der musikalischen Höhepunkte dieses Festivalsommers: Er trat als Walther von Stolzing in der Bayreuther Neuproduktion der Meistersinger von Nürnberg unter der Regie von Matthias Davids und der musikalischen Leitung von Daniele Gatti auf. Zuerst hielt ich die Wahl dieses Interpreten einfach für einen geglückten Griff in die […]

Veröffentlicht inKommentar

›Ring‹ ohne Regie

Als Richard Wagners Bayreuther Festspielhaus 1876 eröffnete, war es technisch auf dem allerneueste Stand: Von seinem überdachten Orchestergraben bis hin zur hochmodernen Beleuchtung und Bühnentechnik sollte die Ausstattung des Hauses den künstlerischen Innovationen des Komponisten gerecht werden. Dem ersten Ring, der das Festspielhaus einweihte, sind mittlerweile 14 weitere Inszenierungen gefolgt. Die nächste kommt im Sommer […]

Veröffentlicht inHundert 11

Nornen im Kinderzimmer

Ein ausgesprochen vernünftiger, dennoch häufig missachteter Gedanke ist es, den Matthias Davids, Regisseur der diesjährigen Bayreuth-Premiere, im Münchner Merkur-Interviewformulierte: »Man sollte als Regisseur ehrlich zu sich und dem Publikum sein, denn wirklich clever ist man nur, wenn man die clevere Idee auch wieder verwirft, wenn sie nicht trägt.« Davids’ redlich poppige, nicht unsympathische, etwas harmlose […]

Veröffentlicht inHundert 11

Wenn Beckmesser der Nationalkuh den Stecker zieht

Nanu, was ist denn das für eine List oder ein Scherz des Wahns? Dass ausgerechnet jetzt, da erstmals ein Kanzler Merz die Bayreuth-Eröffnung beehrt, ein Hans Sachs auf der Bühne zu erleben ist, der wie ein spannenlanger Hagestolz wirkt? Und dass vor den Augen eines Kulturstaatsministers Weimer eine Inszenierung stattfindet, die überreich scheint an gedanklicher […]

Veröffentlicht inRankings

Jeden Tag ein ›Parsifal‹

David Blaine saß 44 Tage lang in einer Box aus Plexiglas. Sir Ranulph Fiennes durchquerte zu Fuß die Antarktis. Ich habe in 30 Tagen alle Aufnahmen gehört, die es vom Parsifal auf Spotify gibt. Nach etwa 7.500 Minuten theosophischer Erlösung bin ich … unentschlossen. Ich denke: »Parsifal ist das Beste, was ja geschrieben wurde!« und […]

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