Es wäre vielleicht zu viel gesagt, dass manche Wagnerfans von allen Ring-Werken den Siegfried am wenigsten leiden können, aber … nun gut, manche Wagnerfans können von allen Ring-Werken den Siegfried am wenigsten leiden. Er scheint ihnen, bei allem Respekt, eher eine Angelegenheit zum duldenden Durchsitzen, um von der emotionalen Achterbahnsause der Walküre zum wahnsinnigen Weltuntergangsbumms […]
Schlagwort: Richard Wagner
Sterben ist Menschensache
Das Problematischste an Tobias Kratzer sind die Kratzer-Nachahmer: andere Regisseure, die in gleicher Manier den narrativen Parallelverkehr anpeilen. Und zwar, indem man den Opernplot durch eine ausgefeilte Erzählung überschreibt, inklusive rasant-komischer Videos und dergleichen (deprimierend schiefgegangen etwa kürzlich beim Berliner Zar und Zimmermann). Die Krux dabei ist keineswegs die freche Methode selbst, sondern ein Mangel […]
Möschs Bayreuth
Diesen Freitag werde ich mich mit Stephan Mösch unterhalten, beim Wagner-Kosmos, den Dortmunds Opernintendant Heribert Germeshausen jedes Jahr um des Meisters Geburtstag herum als eine Art Familientreffen mit Vorträgen, Diskussionen und abends Aufführungen organisiert. Mösch ist Professor für Geschichte, Ästhetik und künstlerische Praxis des Musiktheaters in Karlsruhe, aber auch Kritiker, für FAZ und Opernwelt, und er ist […]
Mittwochabend am Gral
Alles sollte es sein, bloß keine »Oper«. Und so gab Wagner seinem opus ultimum den krudesten aller Genretitel: Bühnen-weih-fest-spiel. Was das nun soll? – ›Das sagt sich nicht‹, ließe sich Ritter Gurnemanz zitieren, als der reine Tor Parsifal, noch nicht durch Mitleid wissend geworden, fragt, worum es sich bei diesem Gral denn wohl handelt. Irgendwie […]
Auftakt des Mozart-›Ring‹
Wagners Ring kann man wie Mozart spielen – und das sollte man vielleicht auch. Das ist die Lektion dieses Rheingold mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko, inszeniert von Kirill Serebrennikov, das gestern bei den Salzburger Osterfestspielen Premiere hatte. Es war eine höchst kammermusikalische Aufführung. Die Ouvertüre wird oft als Ursuppe serviert, was inhaltlich legitim […]
»Auch das geht vorüber.«
Lange bevor ich alkoholabhängig wurde – lange, bevor ich überhaupt Alkohol probiert hatte –, war ich süchtig nach Musik. Seit ich mit zehn Jahren die Lacrimosa aus Mozarts Requiem entdeckt hatte und mit ihr auch die stimmungsverändernde Wirkung von Musik, missbrauchte ich sie wie ein abgebrühter Junkie: Sie wurde mein Werkzeug, um Gefühle zu regulieren, […]
»Es war mir natürlich etwas peinlich, aber ich blieb sowohl gegen die Beatles als auch gegen die Stones völlig gleichgültig.«
Earl Wilson, der amerikanische Kolumnist, schrieb einmal folgenden Satz: »Schnee und Pubertät sind die einzigen Probleme, die verschwinden, wenn man sie lange genug ignoriert.« So sehr mir der Satz gefällt, so wenig lässt er sich auf meine eigene Adoleszenz anwenden: Ich hatte irgendwie keine Pubertät, es hing mit der kirchlich durchgetakteten, mit Ritualen und heidnischen […]
Gralsritter der Kokosnuss
An den Moment der Gralsenthüllung darf man hier, in der Stadt des weltberühmten Genter Altars, der ursprünglich nur dreimal im Jahr zu den höchsten christlichen Festen geöffnet wurde (eine überwältigende Wirkung muss das gewesen sein), wohl die allerhöchsten Erwartungen haben. Doch im Genter Opernhaus – das mit dem dortigen Musikfestival nichts zu tun hat – […]
Bar jeder Vernunft
Dem amerikanischen Baritenor Michael Spyres verdanke ich einen der musikalischen Höhepunkte dieses Festivalsommers: Er trat als Walther von Stolzing in der Bayreuther Neuproduktion der Meistersinger von Nürnberg unter der Regie von Matthias Davids und der musikalischen Leitung von Daniele Gatti auf. Zuerst hielt ich die Wahl dieses Interpreten einfach für einen geglückten Griff in die […]
›Ring‹ ohne Regie
Als Richard Wagners Bayreuther Festspielhaus 1876 eröffnete, war es technisch auf dem allerneueste Stand: Von seinem überdachten Orchestergraben bis hin zur hochmodernen Beleuchtung und Bühnentechnik sollte die Ausstattung des Hauses den künstlerischen Innovationen des Komponisten gerecht werden. Dem ersten Ring, der das Festspielhaus einweihte, sind mittlerweile 14 weitere Inszenierungen gefolgt. Die nächste kommt im Sommer […]
