Am Ende bleibt er mit seiner Knickhalslaute unten im Graben sitzen, bei den Musikern der Kapelle. Packt schon mal die Noten zusammen, fertig zum Abmarsch. Vom Rang aus ist der Ud-Spieler Nassib Ahmadieh gut zu sehen. Vielleicht hatte man, aus Gründen der Abendspielleitungsroutine, schlicht vergessen, ihn auf die Bühne zu holen, ins Licht, wo all […]
Autoren-Archive: Eleonore Büning
… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.
In aller Freundschaft
Schon vom ersten Ton der Ouvertüre an zieht diese Oper laufend den Hut und grüßt liebe alte Bekannte. Zuerst: Mozarts Don Giovanni. Der berühmte Auftrittsakkord des Komturs ist von d-Moll nach g-Moll gerutscht, er wird auch anders aufgelöst. Folgt der Einsatz der Kontrabässe, ein bisschen zu früh, rollen die auch nicht düster drohend in Tonleitern […]
Frau überlebt.
Eine Fotografie von Richard Wagner steht, nicht zu übersehen, auf dem Grand Piano im Salon, als sich Augusta Holmès zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal in ihrer Wohnung in der Rue Juliette Lambert 30 porträtieren lässt (nachzusehen und nachzulesen in einem Aufsatz von Karen Henson). Holmès selbst steht an den Tasten ihres Arbeitsgeräts, senkrecht […]
Rosenkavalier, reloaded
Kurz vor dem dritten Advent inszenierte Christoph Waltz erstmals eine Oper in der schönen Schweiz. Die Eidgenossen freuten sich sehr und rollten den roten Teppich aus. Dabei kehrte die Vorberichterstattung die letzten vier Worte des obigen Satzes beiseite. Tatsächlich hatte Waltz, als gebürtiger Wiener und bekennender Opernliebhaber, bereits anderswo Opern inszeniert. 2019 am Theater an […]
Hosen runter
Jede Oper handelt von Liebe. Es muss nicht unbedingt die wahre sein. Es gibt sogar Ausnahmen, berühmte Stücke, in denen es hauptsächlich um Verrat, Verbrechen, Elend, Machtgier, Krieg und Intrige geht und kein Liebespaar auftritt, wie, zum Beispiel, Joseph et ses frères von Étienne-Nicolas Méhul oder Aus einem Totenhaus von Leoš Janáček. Aber selbst in […]
Raus mit der Sprache: Überleben wir – ja oder nein?
Ab jetzt spricht Michel Friedman über Oper. Gleich eine ganze Gesprächsreihe bekommt er in Frankfurt. Eine gute Idee. Als Anwalt, Publizist, Philosoph und nicht zuletzt auch Immobilienexperte verfügt er über multiple Kompetenzen, um diesem brüchigen alten Kraftwerk der Gefühle wiedebr auf die Sprünge zu helfen. Friedman sagt: »Opernstoffe verhandeln Themen, die uns in der Gegenwart […]
Keine Hoffnung für die Ameise
Da sitzen wir wieder im Halbdunkel zusammen unter lauter Freundinnen und Freunden. Draußen ist Krieg. Drinnen Abschlusskonzert. In der Baarsporthalle breitet sich, im hundertdritten Jahr seit Gründung der Donaueschinger Musiktage, unisonohaftes Einvernehmen aus. Alles gefällt allen, irgendwie. Grabenkämpfe waren vorgestern. Keine Absagen, keine Polemiken, keine Pannen. Stattdessen: Friede, Freude, Achtsamkeit. Es ist kaum auszuhalten. In […]
Richtig abgebogen
Mitten in dem immer wieder unterbrochenen und neu begonnenen Herumkramen in der Vergangenheit, diesmal beim Lunch in der Rüttenscheider Straße 2, einer Oase der Gastlichkeit mitten im schäbigen Herzen der Stadt Essen, kommt Franz Xaver Ohnesorg auf etwas Aktuelles zu sprechen. Er beschwert sich über die magere Resonanz des Konzert- und Festivalbetriebs, das Jubiläum des […]
Als Erstes sterben die Kinder
Der Hangar I auf dem Flughafen Berlin Tempelhof ist fast so groß wie ein Fußballfeld. Durchs Nadelöhr einer kleinen Seitentür, barbierosa ausgeleuchtet, sickert das Publikum ein, was einen gut gelaunten, kleinen Stau erzeugt. »Viel Spaß!« wünschen die Kartenabreißerinnen jedem, den sie passieren lassen. Was in keinem Verhältnis zu dem steht, was der Programmzettel verspricht. Dort […]
Schlaflos in Sanssouci
Der Theaterschlaf – und das betrifft auch den in Oper, Konzert oder Kino – ist kein Privileg reisender Kritiker, von denen es sowieso nicht mehr so viele gibt. Es handelt sich vielmehr um eine bewährte, alte Kulturtechnik, die jeder erlernen kann. Davon ein andermal. Hier und heute geht es um eine Oper, in dem nicht […]
