Mitten in dem immer wieder unterbrochenen und neu begonnenen Herumkramen in der Vergangenheit, diesmal beim Lunch in der Rüttenscheider Straße 2, einer Oase der Gastlichkeit mitten im schäbigen Herzen der Stadt Essen, kommt Franz Xaver Ohnesorg auf etwas Aktuelles zu sprechen. Er beschwert sich über die magere Resonanz des Konzert- und Festivalbetriebs, das Jubiläum des Komponisten György Ligeti betreffend. Außer in Köln ist sonst nicht viel los. Petrenko hat sein Dirigat bei der Ligeti-Woche der Berliner Philharmoniker absagen müssen, aus Krankheitsgründen. Pflichtgemäß wird an den Opernhäusern hie und da nochmal Le Grand Macabre aufgeführt. Wie schnell verblassen unsere großen Toten! Man könnte sentimental werden!
FXO zieht sein Handy heraus, er sucht das Foto vom Wiener Zentralfriedhof, wo er György Ligeti gerade neulich wieder besucht hat. Er hat ihn nicht nur verehrt, er war mit ihm ernsthaft befreundet, wie mit so vielen Kreativen des letzten Jahrhunderts. Ligeti starb im Sommer 2006. Durch den Grabstein kann man hindurchgucken, er ist aus Glas. Sehr stylisch. So hatte ihn Ligeti selbst entworfen. Er hat auch, neben seinem eigenen Namen, den seines Bruders Gábor eingravieren lassen, der 1945 im KZ Mauthausen ermordet worden war. Solange, wie man ihn nicht vergisst, sollte auch Gábor nicht vergessen werden.

