Schon vom ersten Ton der Ouvertüre an zieht diese Oper laufend den Hut und grüßt liebe alte Bekannte. Zuerst: Mozarts Don Giovanni. Der berühmte Auftrittsakkord des Komturs ist von d-Moll nach g-Moll gerutscht, er wird auch anders aufgelöst. Folgt der Einsatz der Kontrabässe, ein bisschen zu früh, rollen die auch nicht düster drohend in Tonleitern auf und nieder, sondern absolvieren vielmehr eine Dreiklangs-Kadenz. Es geht weiter mit einer Singspiel-Idylle à la Freischütz: mit Hörnerchoral und Oboensehnsucht; mit leitmotivischem Blechgetöse, sequenzierten Fanfaren; Paukenwirbeln. Man kann nicht behaupten, dass diese Musik unselbstständig wäre. Sie leiht sich Ideen von Freunden aus, verarbeitet sie weiter. Wer das schrieb, hatte offenbar viele Freunde. 


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… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.