Der Sturm ist vorbei. Die Zeit rast im Flug. Vor den hohen Fenstern der Orangerie regiert längst die Nacht im Park Sorgenfrei. Trotz alledem sorgen wir uns doch ein bisschen, wir Glücklichen, die wir noch drinnen im Hellen sitzen, gefangen im Strom der Musik, auf der Insel der Seligen. Kommen wir je wieder heim? Fährt […]
Autoren-Archive: Eleonore Büning
… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.
Computer können so was nicht
Er blieb bis zu seinem letzten Lebenstag im vierundneunzigsten Jahr wach und gegenwärtig. Bis vorgestern stand Alfred Brendel im Diskurs mit Freunden und Kollegen, als Künstler und als Zeitgenosse, vermittelt über den allmorgendlichen Mailverkehr mit Caro, der »Zeitungsbotin«. Dieser Pianist war, obwohl er sich längst aus dem Konzertleben zurückgezogen hatte, stets präsent, wann immer es […]
Kollision mit einem Eisberg
Fellini hatte es herausgefunden: Opernhäuser sind, wie große Schiffe, eine Blaupause für die gesellschaftspolitischen Verhältnisse. Bei Dekadenz gehen sie unweigerlich unter. Andererseits können sich Insassen von Opernhäusern durchaus ungestraft einer ganzen Reihe von Todsünden hingeben, als da sind Hochmut, Trägheit, Neid oder Völlerei. Man sieht es gerade den etablierten Häusern nicht mal von außen an, […]
Es kommt immer noch schlimmer
Gleich zwei Kassandras mischten sich ein in die 57. Tage für neue Kammermusik in Witten. Die eine, weil sie sich um die Zukunft des Festivals sorgt. Denn Patrick Hahn, der für das Programm verantwortliche WDR-Redakteur und künstlerische Leiter, hat gekündigt, schon zum 1. Juli. Die zweite Kassandra sagte gleich das Aussterben der gesamten zeitgenössischen Musik […]
Auferstehn, mein Herz, im Nu!
Das Motto der diesjährigen Osterfestspiele in Salzburg lautet »Wunden und Wunder«. Man könnte das, was dieser Tage dargeboten wird, ebenso gut zusammenfassen unter dem Slogan »Gott und die Welt«. Oder, falls es unbedingt ein marketingtauglicher Stabreim sein muss: »Hölle und Himmel« oder »Chor und Chaos«. Allein drei Chöre stauen sich bei der Eröffnungspremiere auf der […]
Hoffnung und Illusionen
Die Parteien im Parlament streiten sich wie die Kesselflicker. Nennen einander gierige Tröpfe und sich selber gute Leute. Böse Worte fallen. Es geht schlimmer zu, als je in der Weimarer Republik oder im Plenarsaal des Bundestags. Das Publikum wird nervös. Auf gar keinen Fall möchte man jetzt an die letzte Woche da draußen denken und voreilige […]
Das garstig Lied
Schon wieder Nigl! Gleich nach den Letzten Tagen der Menschheit an der Wiener Staatsoper reiste der Sänger weiter nach Hamburg, wo die Endproben zu einer Uraufführung anstehen. Gordon Kampe hat für ihn eine neue Oper komponiert, im Auftrag der Hamburgischen Staatsoper. Ein Einakter, der einen Märchentitel trägt: Die Kreide im Mund des Wolfs. Er ist […]
Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion
Die Wiener feiern ihr Wienertum, indem sie den Wiener Walzer ins Schaufenster stellen, wo er eh schon herumsteht, leicht angestaubt, seit fast 200 Jahren. Stichtag für das Johann-Strauss-Jubiläum ist zwar erst im Herbst 2025. Aber die Stadt lässt sich nicht lumpen. 22 Millionen Euro hat sie investiert in die touristenintensiven Festlichkeiten, die bereits mit dem […]
Ich brauche Sie auch nicht
Wer keine Zeit hat, der muss sich Zeit nehmen. Das ist eine konfuzianische Maxime, speziell für Musiker kann sie gefährlich werden. Schmal ist der Grat, der den erfüllten Augenblick von der gepflegten Langweile trennt. Und da das wiederum jeder für sich anders definiert, kommen subjektive Laune oder Erfahrung ins Spiel. Beim Einsteigen in den Bus […]
Donau so blau
Diversifikation ist gut für die Gewinnchance. Gleichviel, ob äußere oder innere Werte auf dem Spiel stehen, Aktienkurs oder Musikvermittlung. Der Begriff stammt jedenfalls aus der Finanzwelt, er ist erst seit wenigen Jahren zu einem leicht abgefälschten Lieblingslehnwort geworden, das in den Diskursen um Musikproduktion und -rezeption herumgeistert, zumal der zeitgenössischen. Politisch, gesellschaftlich, moralisch ist Diversity […]
