Jede Oper handelt von Liebe. Es muss nicht unbedingt die wahre sein. Es gibt sogar Ausnahmen, berühmte Stücke, in denen es hauptsächlich um Verrat, Verbrechen, Elend, Machtgier, Krieg und Intrige geht und kein Liebespaar auftritt, wie, zum Beispiel, Joseph et ses frères von Étienne-Nicolas Méhul oder Aus einem Totenhaus von Leoš Janáček. Aber selbst in diese dringen arienweise Lovestorys von außerhalb ein, es wird von ihr in Abwesenheit erzählt.
Für seine siebte Oper, in der eine heutige emanzipierte Eurydice ihren Orpheus überlebt, hatte Manfred Trojahn vor zwei Jahren in Amsterdam ein großes, achtzigköpfiges Orchester in Bewegung gesetzt. Seine neueste Oper liefert dazu jetzt ein ausschweifendes, anspielungsreich raunendes Nachwort – im Taschenformat. Nur fünfzehn Musiker sitzen im Graben der Düsseldorfer Oper am Rhein: ein Holzbläserquartett plus Horn, ein Streicherseptett ohne Violinen, dazu Harfe, Schlagzeug, Klavier, Celesta. Jedes Instrument wird solistisch eingesetzt, es gibt keine »Stimmgruppen«. Was aber nicht ausschließt, dass auch irisierende, vielstimmig geschichtete Zusammenklänge dieses große Haus füllen, bis in den letzten Winkel. Es gibt Stellen, bei denen müssen die Sänger kämpfen, um sich durchzusetzen. Von einem »Kammerspiel in sechs Szenen« zu reden, wie der Komponist es tut, ist also entweder pures Understatement oder Ironie.

