Veröffentlicht inKritik

Schwingende Saiten, Stimmakrobatik und weißes Rauschen

Die St. Elisabeth-Kirche in Berlin-Mitte ist ein klassizistischer Bau, den kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel in den 1830er Jahren konzipiert hat. Heute ist die Kirche längst entweiht, sie brannte im Zweiten Weltkrieg aus und wurde nicht historisch rekonstruiert. Rohe, unverputzte Wände schaffen heute in der klaren Architektur eine puristische Atmosphäre für einen auratischen Kulturort, […]

Veröffentlicht inEssay

Der letzte Romantiker

Guerofür Klavier Minutenlang leise Geräusche, kaum wahrnehmbar. Die konzertante Aufführung wirkt paradox: Zu sehen ist die traditionelle virtuose Aufführungssituation, zu hören ist ein Mikrokosmos von perforierten Perkussionsklängen im vierfachen pianissimo. Und dann, ganz am Schluss: Zwei verschiedene Saiten im höchsten Register werden leise gezupft. Der expressive Gestus einer Melodie aus 2 Tönen. Welches Intervall auch […]

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Vögel, Lava, Pollock und Titanen

Als sich am 1. Juni 1912 Igor Strawinsky und Claude Debussy an den Pleyel setzten und in privater Runde die vorläufige vierhändige Fassung des Sacre du printemps spielten, waren ihre Zuhörer anschließend »niedergestreckt wie von einem Orkan, der vom Beginn der Zeiten gekommen war, um unser Leben an den Wurzeln zu ergreifen«. Man soll nicht […]

Veröffentlicht inKommentar

Musikalische Phantomschmerzen, inszenatorische Sackgassen, untote Debatten

»Mit jeder Theatersaison kehrt sie wieder, jene Protestliturgie von Opernkonsumenten, -produzenten und -rezensenten, die das Musiktheater auf je ihre Art vermaledeien. Das Resultat ist Dauerstress, der schließlich in den Stillstand mündet; man wird das Gefühl nicht los, dass der Patient zu Tode gepflegt wird. Die Tatsache, dass sich die Fronten verhärtet haben, zeigt, dass der […]

Veröffentlicht inKommentar

Plädoyer für ein neues Musik-Theater

I. »Man möchte weghören« 1996. Bregenzer Festspiele. Semiszenische Uraufführung meiner Oper Nacht nach Texten von Friedrich Hölderlin. Der Journalist Reinhard Kager prophezeit dem Werk eine große Zukunft. Heute weiß ich, warum: Dank der sparsamen szenischen Mittel (Verdeutlichen der Handlungsstränge durch unterschiedliches Licht – wie in der Partitur vorgesehen! – und die Realisierung der komponierten Choreographie […]

Veröffentlicht inKritik

Im Inneren des Teilchenbeschleunigers

50 Klaviere nebeneinander verleihen vermutlich jedem Raum, in den sie hineinpassen, etwas Feierliches, so auch dem Amsterdamer Gashouder. Obwohl Georg Friedrich Haas‚ 11.000 Saiten für 50 Klaviere (in aufsteigenden Zwei-Cent-Intervallen gestimmt) und Ensemble im August 2023 in Bozen uraufgeführt wurde und seitdem bei Wien Modern und dem Prager Frühling zu hören war, wird das Konzert […]

Veröffentlicht inKritik

»Das Liebenkönnen ist zerstört.«

»Ja, mei« ist die alpenländische Antwort auf die großen und kleinen Katastrophen der Mitmenschheit. Die zwei Silben können je nach Betonungsverschiebung Träger von Mitleid und Verständnis, aber auch von hilfloser Anteilnahme sein. Dabei – und das ist für Bayerisches ja wirklich eine Besonderheit – schwingt im Kontrast zum hochdeutschen »Tja« nicht nur phonetisch eine zusätzliche […]

Veröffentlicht inKritik

The Artist & The Pervert

Kaum ein Text hat in der VAN-Vergangenheit so heftige Reaktionen ausgelöst wie unser Interview mit Georg Friedrich Haas im Februar 2016, in dem der Komponist zum ersten Mal öffentlich über seine (lange verleugnete) Sexualität, seine Beziehung zu seiner Frau Mollena, und was beides für sein Komponieren bedeutet, sprach. Die Filmemacher Beatrice Behn und René Gebhardt […]

Veröffentlicht inInterview

Georg Friedrich Haas

Von 2011–2013 habe ich in Basel bei Georg Friedrich Haas studiert, bevor er nach New York gezogen ist, wo er an der Columbia University Komposition lehrt. Bei meinem Abschlusskonzert kam ein Musiker zu spät, außerdem ging ein Instrument, das ich selbstgebaut hatte, kaputt; es fiel mir schwer, das – übrigens sehr wohlwollende – Publikum überhaupt […]

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