50 Klaviere nebeneinander verleihen vermutlich jedem Raum, in den sie hineinpassen, etwas Feierliches, so auch dem Amsterdamer Gashouder. Obwohl Georg Friedrich Haas‚ 11.000 Saiten für 50 Klaviere (in aufsteigenden Zwei-Cent-Intervallen gestimmt) und Ensemble im August 2023 in Bozen uraufgeführt wurde und seitdem bei Wien Modern und dem Prager Frühling zu hören war, wird das Konzert auch beim Holland Festival (mit dem Klangforum Wien und Musikstudierenden aus Amsterdam, Den Haag, Rotterdam, Utrecht und Zwolle) mit Spannung erwartet. Man kommt zeitig, um sich einen guten Platz zu sichern, offensichtlich Fremde unterhalten sich aufgeregt über das anstehende Konzert. Die Schläfrigkeit, die sonst gelegentlich auch über Konzerten mit Neuer Musik liegt, wird hier beiseite geschoben durch die schiere Masse an Instrumenten, die den gigantischen Gashouder komplett füllten. Dass 11.000 Saiten erst im zweiten Anlauf in Fahrt kommt, zeigt die choreografischen Herausforderungen dieses Werkes, gemahnt aber auch, dass enorme Energien besser vorsichtig freigesetzt werden.
11.000 Saiten beginnt überraschend sanft: ein C-Dur-Akkord im mezzopiano in Cembalo, Harfe, Celesta und Vibraphon. Beim ersten Einsatz der 50 Klaviere im Pianissimo mit kompakten Figuren in tiefer Lage höre ich sie gar nicht. Sie verweilen unter den donnernden Harmonien des Ensembles, die ständig anschwellen bis zum Fortissimo. Erst als diese Kruste schmilzt, kommen die Klaviere zum Vorschein, mit einer chromatischen Skala, deren intervallische Beziehungen zueinander so gering sind, dass die allermeisten sie vermutlich nur als leichte Änderung der Farbnuance wahrnehmen. Bei 50 Mal 2 Cent Unterschied haben diese Farbwechsel allerdings eine enorme Wucht.

