Wer keine Zeit hat, der muss sich Zeit nehmen. Das ist eine konfuzianische Maxime, speziell für Musiker kann sie gefährlich werden. Schmal ist der Grat, der den erfüllten Augenblick von der gepflegten Langweile trennt. Und da das wiederum jeder für sich anders definiert, kommen subjektive Laune oder Erfahrung ins Spiel. Beim Einsteigen in den Bus der Linie 2 am Kaiserkai ist der Diskurs noch im vollen Gange. Sie habe, ruft eine Hamburger Musikfreundin, »ihren Schumann« nicht wieder erkannt: alles viel zu schnell durchgerauscht, ohne Punkt, ohne Komma. Eine andere widerspricht: Ihr war ausgerechnet der letzte Satz zu lahm. Es gab da offenkundig etwas Streitbares in der Elbphilharmonie zu hören.

Marek Janowski, seines Zeichens einer der letzten großen deutschen Kapellmeister, gastierte an diesem Abend beim NDR-Symphonieorchester, das sich neuerdings stolz »Elbphilharmonie Orchester« nennt – auf Youtube sogar rückwirkend, bis hin zu steinalten Aufnahmen mit Günter Wand. Auf dem Programm: In der zweiten Hälfte etwas Deutsches, die weithin bekannte, »unsere« d-Moll-Symphonie von Robert Schumann. In der ersten Hälfte: das weithin unbekannte fünfte Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns, das sogenannt »ägyptische«, mit dem Solisten Jean-Yves Thibaudet, der sich in Bestform athletisch durch seinen hochvirtuosen Part wühlte. Und zum Auftakt: das zauberisch gestrige Gespinst der Couperin-Suite von Maurice Ravel.


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… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.