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»Einigermaßen überraschend war es für mich, Bachs Manuskripte an Wäscheleinen quer durch die Kantorenwohnung zu sehen.«

»Bach – ein Weihnachtswunder« – der Spielfilm steht seit dem 13. Dezember in der ARD-Mediathek und lief am Abend des 18. Dezember im Ersten zur Prime-Time. Mit riesigem Erfolg: 4,8 Millionen Zuschauer schalteten ein, Marktanteil von fast 20 Prozent, etwas mehr hatte nur die Tagesschau. Und noch viel besser: Bei den 14–40-jährigen war nur »TV […]

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Wie ein Konstrukt

Jeder konstruiert sich seinen Currentzis. Im Blick auf den schwarzgewandeten Bleichling scheinen mittlerweile keine Grautöne mehr möglich, nur noch Blackpainting versus Whitewashing. »Putinknecht, Geniefaker, Scharlatan« wütet es von der einen Seite, unter Beiseitefegung allen Zweifels, jeder Differenzierung, angestachelt durch Currentzis‘ schwer erträgliches Schweigen zu Russlands Krieg. Pah! Kunst und Politik müsse man »einfach trennen«, leiert […]

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1A alliterierend

Ja, das passt musikalisch und menschlich: Die Akademie für Alte Musik (aka Akamus) und der Countertenor Carlo Vistoli treten zum Beginn einer gemeinsamen Europareise im Berliner Konzerthaus auf. Von Lissabon bis Lausanne werden sie ihr Programm spielen, mit Musik von 1710 bis 1730 aus den drei großen L-Städten: London, Leipzig, Lagunenstadt. Vistoli, geboren in Lugo, […]

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Quartvorhaltsschleife, Alberti-Bass und Kadenz-Abschluss-Triller

Knisterndes Bonbonpapiergeräusch im schönsten Mahler-Pianissimo, Husten in die heilige Bruckner-Symphonie-Generalpause hinein, mitfilmende iPhone-Ignoranten beim Einsatz der berühmten Solistin in Tschaikowskys Violinkonzert: Viele Dinge der »Klassik-Szene« nerven. Aber wie schaut es eigentlich mit klassikimmanenten Phänomenen aus, mit Floskeln, die sich häufig interesselos wie von selber abspulen? Ein Ranking der zehn ausgelutschtesten Stilmittel Platz 10: Die Quintfall-Sequenz […]

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Flottes Adagio

Ich persönlich war nie ein Fan der langsamen Sätze von Symphonien oder Klaviersonaten. Die schnellen Ecksätze von Werken in Sonatenhauptsatzform oder Ähnlichem rockten für mich einfach mehr. »Ballern, ich wollte ballern!«, so sagte es mal jemand – ich glaube, es war ein Boxer. Mit zunehmendem Alter regiert allerdings zunehmend die Einsicht, man solle auch einmal […]

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Wenn nicht mehr viel geht: übers Abliefern

Irgendwo im Reich des Bösen muss es sein, wo sie solche Klingeltöne programmieren: eine Flasche, die eine lange, gefühlt endlose Pflasterstraße hinabkollert. Sowieso nicht schön, aber fatal, wenn sich das Klirren verbindet mit den intrikaten Doppeltrillern, die die Pianistin Hélène Grimaud eben in Busonis haarsträubend virtuoser Fantasie über Bachs Chaconne ausführt. Es ist das letzte, […]

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Zerschmetterer und Schmetterling

Das privat initiierte Klavierfestival Berlin, das derzeit stattfindet, hat seine Daseinsberechtigung im Mangel: Hier ist pianistisch zu erleben, was anderswo fehlt. Das gilt auch für das zweite und dritte von fünf Konzerten in diesem Jahr. Die Französin Lise de la Salle ist eigentlich weithin bekannt, aber in Berlin solistisch doch eine erstaunliche Seltenheit, wie viele […]

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Positivitätswalzend

Das Konzertleben ist eine Baustelle. Gerade in Berlin, wo es doch von allem so viel zu geben scheint, existieren bemerkenswerte Leerflächen. So kann es kommen, dass ein angesagter Pianist wie Alexander Krichel, der wenige Tage zuvor noch in der Elbphilharmonie zu erleben war, hierzustadt nicht etwa im Kammermusiksaal der Philharmonie auftritt, sondern im urigen Pianosalon […]

Posted inHundert 11

Überkreuzend

Konzerte mit dem Dirigenten Iván Fischer lohnen immer, selbst wenn eine seiner originellen Programm-Ideen mal eher so semi zündet. Denn Fischers Neugier, Fischers Freude und Fischers dirigentische Kompetenz auf unterschiedlichsten Gebieten von dogmafreiem Barock bis zu unverkopfter Gegenwartsmusik tragen jeden Abend. Was jetzt im Berliner Konzerthaus eine Bach-Kantate mit Musik von Philip Glass verbinden soll, […]

Posted inHundert 11

Ritualvollzug

Die noch Uninitiierten, das heißt nicht voll in den Ritus Eingeweihten, sowie die Blasenschwachen erkennt man daran, dass sie bereits nach der zweiten oder dritten Zugabe den Saal verlassen, sobald sie ihren Videoschnipsel im smarten Flachkasten haben, diesem platten Sarg unserer Erinnerungen: Ach, diese Ahnungslosen wissen nicht, dass der Meister immer sechs Zugaben spielt. Mag […]

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