Henze-Absenz. Auffällig. Dabei galt er doch als der (relativ) Publikumsnahe, hielt sich selbst was drauf zugute, dass er sich nicht so weit von der Hörerschaft entfernt habe wie andere Komponisten seiner Zeit. Und jetzt? Zahlt sich das heute, zu Hans Werner Henzes Hundertstem, gar nicht aus? Der anlassbedürftige Klassikbetrieb lässt sich doch sonst kein Jubiläum […]
Schlagwort: Vladimir Jurowski
Schmerzschmelzend
Aber diese Posaunen. Kein Programmheft-Text (selbst nicht die besten, die in Berlin regelmäßig der RSB-Dramaturg Steffen Georgi schreibt) kommt zu Brahms’ zweiter Sinfonie ohne den Hinweis auf deren Wörthersonnigkeit und D-Dur-Bläue aus; natürlich, um dann sogleich ordnungsgemäß Zweifel anzumelden und allerlei Gräue in die Bläue zu mischen. Eben genau, wie es die Pauken und diese […]
Kopfwesen in Feinripp
Im wunderschönen Monat Mai, wenn alle Knospen springen, blickt der geneigte Konzertgänger in die allseits erscheinenden neuen Saisonvorschauen, mancher so sehr, dass er darüber fast die laufende Gegenwart vergessen kann. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB), das unter allen Klangkörpern der Stadt wohl den intellektuellsten und reflektiertesten Dirigierkopf besitzt (nämlich Vladimir Jurowski), wird in der kommenden Spielzeit […]
Novembersonnig
November ist Brahmszeit. Natürlich existiert auch ein Brahms für jeden anderen Monat. Aber Wahrhaftigeres zum Totensonntag als Ein deutsches Requiem gibt es kaum; und die späten Klarinettensachen sind doch das Novembrigste, das sich denken lässt. Selbst wenn die Klarinette mal gar nicht vorkommt, wie in den Alternativfassungen der Sonaten Opus 120, die Brahms persönlich auch […]
Fegefeuer in Rheingoldstadt
Es weckt Staunen übers eben Gesehene und gespannte Erwartung aufs Kommende, was hier alles gelingt. Und das, obwohl Dirigent Vladimir Jurowski und Regisseur Tobias Kratzer einiges dafür investiert haben, dass die Sache schon zum Vorabend des neuen Münchner Ring des Nibelungen kolossal schiefgehen müsste. Zumindest könnte. Nein, müsste. Denn der eine dirigiert in Zeitlupe, der […]
Tante Frieda ein Fest
Programme müssten so sein, sagte der damalige Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin Marek Janowski vor dreizehn Jahren, »dass auch Tante Frieda ins Konzert kommt«. Den Gedanken würde man in unseren heutigen, empfindlicher gewordenen Zeiten wohl anders formulieren, zumindest Onkel Erwin würde man mitnennen. Aber Janowskis Argument bleibt ja gültig: »Intellektuelle programmatische Pirouetten dürfen nicht dazu führen, […]
Jubilarswahlverwandtschaften
Ein Festivalprogramm, das halb sorgsam kuratiert, halb aus zufälligem Tourneerepertoire zusammengewürfelt ist, lädt zu allerlei eigenen Verknüpfungen ein. Runde Geburts- und Todestage stehen ja heutzutage in (zu) hohem Grad im Mittelpunkt der Klassikprogrammgestaltung. So sind auch beim diesjährigen Musikfest neben dem Leitthema Amériques drei 2024er Jubilare präsent: ein wenig der extrem unamerikanische Anton Bruckner (200. […]
Mondfeierlich
Jubiläumssaison-Zielgerade beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit einer überraschenden, auf paradoxe Weise meditativ-spannenden Programmidee. Wobei man dazu vorab gleich zweierlei sagen muss: Erstens, dass »Jubiläen« eine flexible Angelegenheit sind, von der sich in Kettensätzen sprechen lässt: Das RSB wurde zum Beispiel deshalb in dieser laufenden Saison einhundert Jahre alt, weil es seine Geburtsstunde listig auf den 29. […]
