Das Problematischste an Tobias Kratzer sind die Kratzer-Nachahmer: andere Regisseure, die in gleicher Manier den narrativen Parallelverkehr anpeilen. Und zwar, indem man den Opernplot durch eine ausgefeilte Erzählung überschreibt, inklusive rasant-komischer Videos und dergleichen (deprimierend schiefgegangen etwa kürzlich beim Berliner Zar und Zimmermann). Die Krux dabei ist keineswegs die freche Methode selbst, sondern ein Mangel an musikalischem Scharfsinn und Bühneninstinkt im Vergleich zu Kratzer, von dem nun an der Bayerischen Staatsoper die mit Spannung erwartete Neuinszenierung der Walküre Premiere feierte. Darin geht es zwar weniger stringent zu als im atemberaubenden Rheingold der vorigen Saison. Aber dieser Mangel ist nicht nur Schwäche, sondern vielleicht auch Stärke der neuen Inszenierung.
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