Zwei Monate vor der Premiere einer neuen Walküre an der Bayerischen Staatsoper läuft in Berlin ein erster Aufzug mit teilweise gleicher Besetzung. Trotz der Schnittmenge ist das mehr als ein partieller Testdurchgang: erstens, weil musikalisch lohnend konzertant, zweitens, weil dramaturgisch lohnend kombiniert mit – na hoppla – Brahms. Das ist verblüffend, ja irritierend, in seinem kalkulierten Überraschungseffekt (über?)geistreich. Der anno seinerzeitige Antagonismus von Brahms und Wagner wird häufig benannt, heutzutage braucht das öde Parteiengewusel des 19. Jahrhunderts uns ja eigentlich nicht mehr zu scheren. Aber so direkt gegenübergestellt wird auch unmittelbar klar, was die beiden aneinander befremden musste: den Herrn Brahms am Kollegen Wagner etwa diese hemmungslose Effektorientierung bei oft ja schon auch (zumal aus Brahmssicht) simplen Methoden, wie schon im blitzdonnernden Vorspiel der Walküre. Das wird erst recht deutlich, wenn das Orchester wie hier nicht aus der Grube agiert, sondern auf dem Podium, in diesem Fall im Großen Saal des Konzerthauses am Gendarmenmarkt. Nahezu grell die dramatischen Gesten, vor aller Leitmotivik.
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