Froh, weder Brahmsianer noch Musikwissenschaftler zu sein, um Robert Schumanns Violinkonzert nicht doof finden zu müssen (oder zumindest »problematisch«). Da muss man die mangelhafte motivisch-thematische Verarbeitung nicht reklamieren, sondern kann wohlig traurig werden an den sich verströmenden Wieder- und Wiederholungen des Kopfsatzes, in der sentimentalen Geistermelodik des langsamen Satzes oder dem unerhört unablässigen seligen Schunkeln […]
Schlagwort: Simon Rattle
Exerzitien in Zartheit
Gerontius war ein spätantiker römischer General, aber mit dem hat Elgars Oratorium The Dream of Gerontius gar nichts zu tun. Sein Gerontius, auf einen 1865 von dem englischen Kardinal John Henry Newman verfassten und seinerzeit in katholischen Kreisen ziemlich populären Text, dieser Gerontius ist einfach ein alter Mann, es könnte jeder sein, entsprechende Glaubensgrundlagen vorausgesetzt. […]
Glück, das an uns vorbei ging
Unter den Linden hat Sir Simon Rattle am Sonntag endlich seinen Janáček-Opern-Zyklus komplettiert. Auch Rattles Gattin, die mit ihrer bezaubernden Porzellanstimme allezeit treffsichere Mezzosopranistin Magdalena Kožená, trat im zweiten Akt kurz in Erscheinung. Nämlich in der Rolle des feschen Herrn Reinecke, der die schlaue Fuchsfrau vernascht und heiratet. Woraufhin der Chor des Waldes in einen […]
Ansteckende Heimatgefühle
Allseitiges Heimkehr-Empfinden, wenn Sir Simon Rattle die Berliner Philharmonie besucht. Vor allem, wenn er eines »seiner« Werke mitbringt, wie John Adams’ Harmonielehre. Dieses Mitte der 1980er entstandene Eklekto-Amalgam aus sogenanntem Minimalismus, sogenannter Spätromantik und sogenanntem Impressionismus (diese Etiketten sind ja ein Quark) ist ein Konzertsaal-Ereignis ersten Ranges – wenn es dem Publikum in Deutschland denn […]
Die Hussiten siegen beim Eishockey
Schnuppe, ob nun le parole oder la musica zuerst: Sprache spielt in jeder Oper eine wichtige Rolle, sonst wär’s ja Ballett, Sinfonische Dichtung oder irgendein schlanglanges Schlimpimpel. Aber es gibt Werke, bei denen die Sprache eine besonders herausragende Angelegenheit ist, ohne dabei doch irgendwie »über« der Musik zu stehen. In Kaija Saariahos Gegenwartsoper Innocence (aktuell […]
Jubilarswahlverwandtschaften
Ein Festivalprogramm, das halb sorgsam kuratiert, halb aus zufälligem Tourneerepertoire zusammengewürfelt ist, lädt zu allerlei eigenen Verknüpfungen ein. Runde Geburts- und Todestage stehen ja heutzutage in (zu) hohem Grad im Mittelpunkt der Klassikprogrammgestaltung. So sind auch beim diesjährigen Musikfest neben dem Leitthema Amériques drei 2024er Jubilare präsent: ein wenig der extrem unamerikanische Anton Bruckner (200. […]
