Allseitiges Heimkehr-Empfinden, wenn Sir Simon Rattle die Berliner Philharmonie besucht. Vor allem, wenn er eines »seiner« Werke mitbringt, wie John Adams’ Harmonielehre. Dieses Mitte der 1980er entstandene Eklekto-Amalgam aus sogenanntem Minimalismus, sogenannter Spätromantik und sogenanntem Impressionismus (diese Etiketten sind ja ein Quark) ist ein Konzertsaal-Ereignis ersten Ranges – wenn es dem Publikum in Deutschland denn mal vergönnt ist! Immerhin, in Berlin war das zuletzt erst vor gut einem Jahr der Fall: Damals ging Vladimir Jurowski programmatisch in die gefinkelten Vollen und kombinierte die Harmonielehre mit Arnold Schönberg, auf dessen gleichnamiges musiktheoretisches Lehrwerk Adams’ (schon im Original deutscher) Titel sich süffisant-ablehnend bezieht, sowie mit Johannes Brahms, den Schönberg als »den Fortschrittlichen« avantgardistisch einzugemeinden suchte. Wie dagegen die drei Stücke des Rattle-Programms zusammenhängen, that knows the cuckoo. Zumindest hatten Prokofjew und Percy Grainger genauso wenig mit Schönberg am Hut wie John Adams, der die Musik der Zwölfton-Avantgarde unumwunden als schlicht hässlich bezeichnete.
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