Bei langjährigen Streichquartetten stellt sich nach vielen Besetzungswechseln die philosophische Frage vom »Schiff des Theseus«: Ab wie vielen Plankenwechseln verliert ein Objekt seine Identität, verliert es sie überhaupt? Grundsätzlich machen solche Revirements Kammermusik-Ensembles ja unbeschränkt seetüchtig. Das Juilliard String Quartet gibt es seit 1946, das Gewandhaus-Quartett existiert quasi seit Christi Geburt. Das Takács Quartet aber, […]
Schlagwort: Joseph Haydn
Schimmern und Zwitschern
Konzertreihen mit Klarinettenquintetten werden richtig interessant ab dem vierten Termin. Denn die ersten drei programmieren sich quasi von selbst: zuerst Mozart (wen zerrisse es nicht), dann Brahms (wen berührte es nicht), anschließend Carl Maria von Weber (wer schätzte es nicht). Dann aber kommt beispielsweise: Max Reger (welche Sau kennt das denn). Der Solist Jörg Widmann […]
Da tanzen die güldenen Karyatiden
Während die Wiener Philharmoniker mit dem Bruckner-Sensei ティーレマン • クリスティアン (transkr. Thielemann Christian) im schönen Japan gastieren, ist die glänzende Wiener Musikvereinsbude für erlesene nachbarschaftliche Gastspiele frei: Erst kommen die Leipziger, dann die Budapester. Und beide Orchester bringen einige erlesene Seltenheitskost mit in diesen Saal, der da gar herrlich gesäumet ist von 36 güldenen Karyatiden […]
Seid umschlungen, irgendwie [Post aus Wien #7]
Die Post aus Wien kommt heuer nur fast von da, nämlich aus der burgenländischen Mini-Metropole Eisenstadt, in der, nach dem bekannten Zitat des großen Haydn, er original werden musste. Ich liebe diesen Satz, deshalb kommt er hier einmal ganz: »Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als Chef eines […]
Fünf echt schlechte Solokonzert-Kadenzen bekannter Komponisten
Wenn, wie bei Solokonzerten nun mal üblich, mindestens eine Person mit ihrem Instrument vor dem Orchester steht und besonders viel zu tun hat, kommt es irgendwann zu diesem einen Moment, kurz vor Schluss eines Ecksatzes: Fast immer macht das Orchester »Halt!« auf einem Quartsextakkord, einem Akkord, der – kurz gesagt – gewisse, anerzogene Erwartungshaltungen hervorkitzelt, […]
Novembersonnig
November ist Brahmszeit. Natürlich existiert auch ein Brahms für jeden anderen Monat. Aber Wahrhaftigeres zum Totensonntag als Ein deutsches Requiem gibt es kaum; und die späten Klarinettensachen sind doch das Novembrigste, das sich denken lässt. Selbst wenn die Klarinette mal gar nicht vorkommt, wie in den Alternativfassungen der Sonaten Opus 120, die Brahms persönlich auch […]
