Das Problematischste an Tobias Kratzer sind die Kratzer-Nachahmer: andere Regisseure, die in gleicher Manier den narrativen Parallelverkehr anpeilen. Und zwar, indem man den Opernplot durch eine ausgefeilte Erzählung überschreibt, inklusive rasant-komischer Videos und dergleichen (deprimierend schiefgegangen etwa kürzlich beim Berliner Zar und Zimmermann). Die Krux dabei ist keineswegs die freche Methode selbst, sondern ein Mangel […]
Schlagwort: Der Ring des Nibelungen
Nornen im Kinderzimmer
Ein ausgesprochen vernünftiger, dennoch häufig missachteter Gedanke ist es, den Matthias Davids, Regisseur der diesjährigen Bayreuth-Premiere, im Münchner Merkur-Interviewformulierte: »Man sollte als Regisseur ehrlich zu sich und dem Publikum sein, denn wirklich clever ist man nur, wenn man die clevere Idee auch wieder verwirft, wenn sie nicht trägt.« Davids’ redlich poppige, nicht unsympathische, etwas harmlose […]
Fegefeuer in Rheingoldstadt
Es weckt Staunen übers eben Gesehene und gespannte Erwartung aufs Kommende, was hier alles gelingt. Und das, obwohl Dirigent Vladimir Jurowski und Regisseur Tobias Kratzer einiges dafür investiert haben, dass die Sache schon zum Vorabend des neuen Münchner Ring des Nibelungen kolossal schiefgehen müsste. Zumindest könnte. Nein, müsste. Denn der eine dirigiert in Zeitlupe, der […]
Anti-, halb- und vollwotanisch
Wer den überoperngroßen Ring des Nibelungen inszenieren will, dem kann es leicht wie Wotan ergehen: Ein kühner Entwurf zeitigt unabsehbare Folgen, und wenn man dann die Dramaturgiekundlerin fragt, »wie zu hemmen ein rollendes Rad«, ist es längst zu spät – man hat sich verzettelt. Andererseits, willensfaule Beschränkung auf biederes Weltendrama-Begleiten oder gar schnödes Illustrieren wäre […]
