Wer den überoperngroßen Ring des Nibelungen inszenieren will, dem kann es leicht wie Wotan ergehen: Ein kühner Entwurf zeitigt unabsehbare Folgen, und wenn man dann die Dramaturgiekundlerin fragt, »wie zu hemmen ein rollendes Rad«, ist es längst zu spät – man hat sich verzettelt.

Andererseits, willensfaule Beschränkung auf biederes Weltendrama-Begleiten oder gar schnödes Illustrieren wäre eine Beleidigung von Wagners Größe. Insofern spricht schon was dafür, es so forsch anzugehen wie Dmitri Tcherniakov in seiner Inszenierung von 2022, die jetzt bei den Festtagen der Berliner Staatsoper Unter den Linden wieder zu sehen ist: gewissermaßen konsequent anti-wagnerisch. Wo der Ring sagenhafte Weite setzt, ist hier die klaustrophobische Enge eines vielräumigen Experimentier-Instituts E.S.C.H.E. zu sehen. Wo der Ring raunend dämmert, herrscht hier stets totale Ausleuchtung. Wo Wagners Figuren somn- oder noctambul handlungswandeln und zugleich psychologisch überfein gezeichnet sind, wird hier von Gegenwartsmenschen immer wieder hysterisch gelacht, quasi übersprungspsychologisch.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com