Das Eingangsportal des Meininger Bahnhofs ist verriegelt, die Fenster auf der Rückseite mit Reklame-Plakaten für eine längst umgezogene Taxizentrale verklebt. Ein roter Pfeil am Bauzaun davor weist den Weg zur geschlossenen Spielbank im Nachbargebäude. Auf den ersten Blick erinnert hier nichts an das mondäne Flair der ehemaligen Herzogresidenz. In einem Schaukasten am Straßenrand lese ich die Titel vergangener Opernpremieren und der jetzt bevorstehenden Uraufführung: Tote Stadt, Feen, Gespenster. Passt zum südthüringischen Städtchen, das bereits zur Mittagszeit wie ausgestorben wirkt. Vor mir erstreckt sich der Englische Garten bis zur Innenstadt und umschließt mit aufkeimendem Grün das große neoklassizistische Theater. Poröse Sandsteinsockel, verlassene Rondelle und leergeräumte Lauben lassen erahnen, wie prächtig der Park, den der Großvater des Meininger Theaterherzogs Ende des 18. Jahrhunderts anlegen ließ, einmal gewesen sein muss. Auf den berühmten Enkel Georg II., der Meiningen Mitte des 19. Jahrhunderts in eine glamouröse Theatermetropole verwandelte, stößt man überall in der Stadt. Streng blickt er im Park als Bronze-Plastik auf die Spaziergänger herab, etwas milder blickt er aus dem Goldrahmen an der Wand des Theaterfoyers auf die Besucher.
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