Die Welt ist wieder heil, als sie endlich von Neuem untergeht. Als die Sturmmusik des Fliegender Holländer-Vorspiels losbraust, ist die westdeutsche Flutkatastrophe mit allem Drumherum weit weg. Und auch die Corona-Pandemie irgendwie vergessen, wie wir da im Bayreuther Festspielhaus sitzen, durchgeimpft und abmaskiert und hemdesärmelig durchlüftet dank Sitzanordnung im Schachbrettmuster (ob’s was hilft in der legendären und gewiss überaus aerosolfreundlichen Bayreuther Stickluft?). Dennoch ist die Wagnerwelt irgendwie anders: Erstmals dirigiert hier eine Frau, und wenn nun Jahrzehnte nach der Entnazifizierung auch die Entpapasierung Bayreuths beginnt, ist es folgerichtig, dass auch Wagners haarsträubende Weiblichkeitsprojektionen endlich mal aufmucken und Schluss machen mit der projizierenden Maskulinbagage. Und zwar, indem sie die Spiegelbilder, die sie für maßlose Männer-Egos darzustellen haben, kurzerhand zertrümmern.
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