Letztes Jahr feierte die Akademie für Alte Musik Berlin ihren 40. Geburtstag und eine musikalische Erfolgsgeschichte, die in ihrer Kontinuität und Strahlkraft ziemlich einmalig ist. Ohne Stephan Mai, den Gründer und ersten Konzertmeister des Ensembles, gäbe es Akamus wohl nicht – und die Stadt Berlin wäre um ein nationales wie internationales Aushängeschild ärmer. Anfang des Jahres, beim Neujahrskonzert mit dem RIAS Kammerchor und Händels Judas Maccabaeus, spielte Mai sein letztes Konzert mit seiner Akademie. »40 Jahre Akamus, das waren auch 40 Jahre mit Stephan Mai, diesem Anstifter und Anführer, diesem Konzertmeister im wahrsten Sinne des Wortes«, schreibt Wolfgang Thierse in einem Abschiedstext im Programmheft. Die beiden lernten sich beim Spielen mit ihren Kindern in einem Sandkasten auf dem Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg kennen, erzählt mir Stephan Mai, als ich ihn vier Wochen nach seinem Abschiedskonzert in seiner Wohnung in Berlin-Mitte treffe.
VAN: Fiel Ihnen das Abschiednehmen schwer?
Stephan Mai: Ach wo, das war auch eine Befreiung. Der Abstand ist schon lange da. Das ist ein Prozess. Ich war nach dem Konzert richtig froh, der letzte Rest einer Belastung ist heruntergerutscht.

