Ort des Geschehens: Perm am Ural im Januar 2013, das Opern- und Ballett-Theater P. I. Tschaikowski in der Petropavlovskaya ulitsa 25А. Per pietà, ben mio, perdona. Fiordiligis hornbegleitete Arie im 2. Akt von Mozarts Così fan tutte. Seit Mitternacht war man am Aufnehmen. Jetzt ist es halb drei. Nach langem Hin und Her versucht man eine Aufstellung, in der das Horn vorne dicht zwischen Sopranistin, Dirigent und Konzertmeister sitzt. »Im Übergang zum letzten Allegro moderato ist so eine Spannung aufgetaucht, mir sind die Tränen übers Gesicht gelaufen«, erinnert sich der Hornist Christian Binde. »Ich konnte fast nicht mehr spielen, weil es so berührend war.«

»I think we have everything«, sagt der Tonmeister aus der Aufnahmekabine durch. »We have everything, or you think we have everything?«, fragt der Dirigent zurück. Es wird weitergemacht. Der Stress steigt, auch die Spannungen zwischen Solistin und Dirigent nehmen zu. Irgendjemand sagt, er sei müde. Es gibt einen kurzen Meinungsaustausch, dann bricht der Dirigent ab. »I need another spirit for this, see you tomorrow.« Weg ist er. »Ich war geschockt. Für einen kurzen Moment fragt man sich, ob der wahnsinnig geworden ist? Alle dachten, wir hätten die Arie so gut wie im Kasten.«, erzählt Binde.


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