Endlich wieder Konzert und Oper, die einen mit Klang umhüllen wie das Fruchtwasser einen Embryo. Endlich wieder die Millisekunden spüren, die der Ton braucht, bis er das Trommelfell berührt. Das Abdunkeln der Saallichter, das angespannte Warten, bis der Dirigierstab mit dieser sonderbaren Mischung aus Wille und Schwerkraft fällt, die Spucke der Sänger:innen, die wie Staub im Bühnenlicht auseinanderstiebt. Fast hat man sogar das Rascheln von Bonbonpapier und das Husten in eine zauberhafte Stille hinein vermisst, weil das eben Zeichen sind, dass man Musik mit anderen Menschen zusammen hört. Es gibt vieles, das uns Musik nur live erzählen kann.
Daran werde ich bei drei Konzerten zur Eröffnung der Saison 2021/22 in der Schweiz erinnert. Am 12. September startet das Opernhaus Zürich mit einer Neuinszenierung von Richard Strauss’ Salome unter der Regie von Andreas Homoki und der musikalischen Leitung von Simone Young in die neue Spielzeit. Schon nach dem ersten Auftakt ist die Körperlichkeit des Klangs, die in den letzten anderthalb Jahren gefehlt hat, zu spüren. Mehrmals drehe ich mich um, weil die Klarinette direkt neben mir zu spielen scheint. Sie klingt fast zum Anfassen, vertrauensvoll, intim, lustig. Nur so unmittelbar gehört kann Musik unsere Wahrnehmung auf eine solche Art täuschen. Unter Youngs Leitung klingt das Orchester auch sonst fantastisch lebhaft: Manchmal übertönen die Blechbläser vor lauter Enthusiasmus die Streicher, wobei das möglicherweise an Strauss’ Orchestrierung und nicht an Youngs Dirigat liegt.

