Seit vier Jahren ist Ilona Schmiel Intendantin des Tonhalle-Orchester Zürich. Sie selbst bezeichnet diese Zeit als die »dichteste« ihres bisherigen beruflichen Lebens: Erst ging ihr der Konzertsaal und dann der Chefdirigent flöten. Dass man in Zürich nun trotzdem so zuversichtlich wie lange nicht in die Zukunft schaut, ist auch ihr Verdienst. Mit Paavo Järvi hat Schmiel einen allseits geschätzten Nachfolger für den glücklosen (und am Ende ziemlich ungeliebten) Lionel Bringuier aus dem Hut gezaubert. Und die Interimsspielstätte im Maag-Areal im Zürcher Westen, in die das Orchester während des Umbaus der Tonhalle für drei Spielzeiten ausweichen muss, lieben Musiker und das Publikum gleichermaßen. Wahrscheinlich gibt es heutzutage keine neu zu besetzende Intendantenposition in der Welt der ernsten Musik, wo ihr Name nicht eher früher als später ins Gespräch kommt. Den Marsch durch die Institutionen begann Schmiel mit Mitte Zwanzig als Assistentin bei den Donaueschinger Musiktagen. 1998 wurde sie Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Bremer Konzerthauses »Die Glocke«, und war damals jüngste Intendantin Deutschlands. Ab 2004 leitete sie für zehn Jahre das Beethovenfest Bonn, dessen Besucherzahl und Budget in dieser Zeit kräftig wuchsen. Entsprechend unglücklich war man dort, als Schmiel 2014 als neue Intendantin des Tonhalle-Orchesters nach Zürich wechselte. Ihren Vertrag dort hat sie letztes Jahr vorzeitig bis 2024 verlängert (und dafür dem Vernehmen nach ein Angebot der Berliner Philharmoniker abgelehnt). Für die Klassik bringt die studierte Schulmusikerin und Altphilologin den dort so wichtigen Stallgeruch mit, vermutlich hätte sie aber auch in jeder anderen Branche als Führungskraft Erfolg.Ich treffe Schmiel an einem späten Freitagnachmittag im Dresdner Kulturpalast. Sie kommt gerade von einem informellen Austausch mit Intendanten-Kolleginnen und Kollegen und fliegt am Abend noch zurück nach Zürich. Trotzdem ist sie erstaunlich entspannt und gut gelaunt. Man merkt: Hier sitzt einem ein Kommunikationsprofi gegenüber. Jemand, der Lust auf Wort und Tat hat. Die Klaviatur der Kontaktgestaltung beherrscht sie mit einer Natürlichkeit, der jeglicher Ego- oder Standesdünkel abgeht. Wenn sie über etwas nicht reden will, erstickt sie ein Thema im unverfänglichen Allgemeinplatz – oder lächelt es einfach weg. Meistens aber springt einen ein interessanter Gedanke an. Und davon haben sich in den letzten 25 Jahren im »Betrieb« einige angesammelt.


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... ist Herausgeber von VAN. Er studierte Development Studies, Ethnologie und Asienwissenschaften in Berlin, Seoul, Edinburgh und an der London School of Economics und arbeitete im Anschluss zehn Jahre als Berater in Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. 2014 gründete er mit Ingmar Bornholz den VAN Verlag, wo er auch als Geschäftsführer fungiert. hartmut@van-verlag.com