Über mittelhochdeutsche Zeilen gebeugt hörte ich zum ersten Mal bewusst den Parsifal. Sicherlich, das Bühnenweihfestspiel lief auch vorher schon öfter, vielleicht im Hintergrund, vielleicht in Teilen. Aber mit dem Parzival von Wolfram von Eschenbach vor mir, hörte ich zum ersten Mal genau hin – meinte ich zumindest. Denn bis heute haben sich mir diese Musik und dieser Text von Wagner nicht richtig erschlossen. Aber er kommt mir immer näher, der Parsifal.Je nach Dirigat ist es etwa viereinhalb Stunden lang, das letzte Werk Richard Wagners. Die Diskurse um den Parsifal sind lauter als seine Musik es jemals wird. Doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Ich möchte darüber schreiben, wie persönliche Zugänge und Bindungen zu dieser Oper aussehen können. Trotz der Komplexität, trotz der religiösen Patina, trotz dieser teils endlos schleifenden Musik. Oder vielleicht gerade deswegen?
Nach wilder Schmerzensnacht nun Waldesmorgenpracht
Parsifal hat seine Mutter Herzeleide verlassen, um Abenteuer zu erleben. Auf einer Waldlichtung trifft er auf die Ritterschaft der Gralsburg, dessen König Amfortas unter starken Schmerzen leidet. Parsifal hört von einer Prophezeiung: »Durch Mitleid wissend, der reine Tor.« Er weiß nicht, dass es in seiner Hand liegt, den leidenden König von seinem Fluch zu erlösen – der Wunde, die der Speer ihm schlug, der einst auch Jesus am Kreuz verletzte. Der Heilige Gral kann, wird er entblößt, Amfortas kurze Linderung verschaffen, erhält ihn aber auch weiter am Leben, verlängert die Qual. Parsifal erblickt dieses Schauspiel und: Erkennt nichts. Sein Mitleid lässt ihn nicht wissen.

