Donald Runnicles ist von beeindruckender Gestalt, er steht erhobenen Hauptes, spricht mit einer sonoren Stimme und einem leicht schottischen Akzent. Seit 2009 ist er Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Als er die Position übernahm – inmitten einer Finanzkrise – stand es nicht gut um das Haus. Doch schon bald erhielt er begeisterte Kritiken für Neuproduktionen von Wagner, Britten und Janáček und trug so dazu bei, dass die Oper wieder eine solide Basis bekam. In seinem holzgetäfelten Büro im Charlottenburger Opernhaus sprechen wir etwa 45 Minuten lang, unterbrochen vom Knistern der Lautsprecheransagen von der Bühne. Konsequent bescheiden und unwillig, über seine eigene Arbeit zu sprechen, es sei denn in Bezug auf die Kunst Anderer, überrascht mich vor allem sein Fokus auf Psychologie – im Hinblick auf Verwaltung, Musik und Zusammenarbeit. Im Laufe des Gesprächs ergibt es jedoch immer mehr Sinn: Ich bekomme das Gefühl, von ihm geleitet zu werden – er entlockt mir Fragen und gibt dem Gespräch seine Form.
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