Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit, ist eine in letzter Zeit wieder viel gebrauchte Redewendung. Ähnlich schnell dahin geht es mit einer differenzierten Einordnung dessen, was um einen herum passiert. Für die Mitte, dort, wo die Wahrheit meist anzutreffen ist, bleibt in einer in Freund und Feind geteilten Welt nicht viel Platz. 

Teodor Currentzis polarisierte schon vor dem Krieg in der Ukraine: Für die einen war er der größte Scharlatan der Klassikwelt, für die anderen ihr Messias. Allerdings war das eine Diskussion, die sich immer mehr um Äußeres drehte als um die Musik. Currentzis war stets ein besserer, seriöserer Künstler, als seine bisweilen pathostriefenden Interviews und seine etwas abgeschmackte Selbstinszenierung als Klassik-Werther glauben machten. Und spätestens mit Amtsantritt als Chefdirigent beim neu fusionierten SWR Symphonieorchester war der selbsterklärte Anarchist dann vollends im Establishment angekommen.


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